Irit Dekel & Eldad Zitrin live in Berlin : Von Jerusalem bis nach Buenos Aires

Jazz trifft Pop und Rock: Irit Dekel & Eldad Zitrin spielten "Last of Songs" im Berliner Columbia-Theater

Roman Rhode
Multiinstrumentalist Eldad Zitrin und Sängerin Irit Dekel.
Multiinstrumentalist Eldad Zitrin und Sängerin Irit Dekel.Foto: Promo

„Last of Songs“ nennen Irit Dekel und Eldad Zitrin ihr Projekt: eine Neuerfindung von Hits aus dem American Songbook. Doch kann man Harold Arlens Komposition „Blues in the Night“, von der es über 300 Coverversionen gibt, noch weitere Facetten abgewinnen? Sängerin Dekel und dem Multiinstrumentalisten Zitrin gelingt es.

Die beiden Israelis sitzen eng nebeneinander auf der Klavierbank und schälen zärtlich die fragile Essenz des Lieds heraus. Es ist einer der stillen, ergreifenden Momente ihres Konzerts, bei denen die Bühne des Columbia-Theaters wie ein verlassenes Caféhaus wirkt, kurz bevor die Lichter ausgehen.

In diesem intimen Zusammenspiel von Gesang und Klavier hatten Dekel und Zitrin vor fünf Jahren in Tel Aviv begonnen, verschiedene Jazzstandards regelrecht zu dekonstruieren. Um sie anschließend orchestral gegen den Strich zu bürsten. So kommt Arlens Song „Get Happy“, der bereits von Judy Garland, Dizzy Gillespie, Ella Fitzgerald und Frank Sinatra interpretiert wurde, wie Breitwand-Pop mit kräftigem orientalischen Einschlag daher. Israel als musikalischer Schmelztiegel, an der Naht zwischen Orient und Okzident.

Das Akkordeon atmet atlantischen Schwermut

Doch während die Tracks auf dem Album reich orchestriert sind, treten Dekel und Zitrin in Berlin im Quartett auf und liefern so Miniaturen zu ihrem Opus. Mehr braucht es auch nicht, um ihre musikalische Zeitreise zwischen Berlin-Alexanderplatz, Brooklyn, Buenos Aires oder der Jerusalemer Klagemauer in Szene zu setzen. Da ist der junge Kontrabassist, der mal eben zur Bassgitarre wechselt und diese wie eine Knickhalslaute anschlägt. Und der Schlagzeuger, der zwischendurch die Darabuka bearbeitet oder zu Schellen greift.

Eldad Zitrin, eigentlich ein Jazzsaxofonist und klassischer Pianist, spielt sein Sopran wie eine türkische Klarinette, atmet atlantische Schwermut durch sein wunderbares Akkordeon, schlägt kühle Keyboardtasten an und streut mit dem Laptop allerlei Samples ein. Im Mittelpunkt aber steht der klare, geschmeidige Gesang Irit Dekels – pures Gefühl. Mit ihren kirschroten Lippen, einem schwarzen gestuften Bob und offenem Lächeln mag sie an eine Coupletise aus den dreißiger Jahren erinnern, doch sie singt zu einem energetischen Groove von heute. „Last of Songs“ begnügt sich nicht mit Jazzstandards, vielmehr preschen die Musiker auch in Rockgefilde vor. Das zeigt sich in den ausufernden Soli des Drummers und Bassisten, bei deren Wettstreit es kein Halten mehr gibt. Diese Musik schmeckt nicht nach schwerem Whisky, sondern nach frischer Minze.

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