Kultur : Ist der Islam reformierbar? Garton Ash und Hirsi Ali: die Debatte als Buch

Caroline Fetscher

Der Online-Dienst „Perlentaucher“ bietet nicht nur einen Überblick über deutschsprachige Buchrezensionen und seine tägliche Feuilletonrundschau, er versteht sich auch als Plattform für Debatten. Anfang des Jahres hatte der französische Philosoph Pascal Bruckner auf polemische Weise seine Skepsis über einen „liberalen Konsens“ im Umgang mit dem Islam geäußert – in einer Kritik an Ian Burumas Buch „Murder in Amsterdam“ und an Timothy Garton Ash. Letzterer hatte in der „New York Review of Books“ die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali attackiert, indem er ihr „aufklärerischen Fundamentalismus“ vorwarf – ein Begriff, von dem Garton Ash sich unlängst distanzierte. Die Polemiken lösten eine leidenschaftliche Diskussion aus, die im „Perlentaucher“ geführt und dokumentiert wurde. Renommierte Stimmen meldeten sich zu Wort, um Bruckner anzugreifen – oder zu verteidigen.

Die Beiträge erschienen als Nachdruck oder als eigens bestellte Essays auf der Website, deren Leserschaft sich darüber stritt, ob bei Islamkritik und Multikulturalismus nun Aufklärung am Werk sei oder Antiaufklärung. Was sich online dynamisch von Tag zu Tag fortsetzte, liegt jetzt in Buchform vor. Im Suhrkamp- Band erklärt Hirsi Ali nochmals, der Islam sei ein Glaubenssystem, das unter seinen Anhängern Fatalismus, Armut, Arbeitslosigkeit und Stagnation produziert, die Unterdrückung von Frauen propagiert und veraltete Lebensregeln predigt. Diese Diagnose stellt sie auch für den Islam im Westen. Er sei „inkompatibel“ mit Demokratie, Rechtsstaat und Moderne. Garton Ash und andere halten ihr entgegen, auch der Islam sei reformfähig und in Entwicklung begriffen. Weitere Texte von Ulrike Ackermann, Ian Buruma, Necla Kelek und Bassam Tibi bereichern die Kontroverse. Caroline Fetscher

Thierry Chervel, Anja Seeliger (Hg.): Islam in Europa. Eine internationale Debatte Edition Suhrkamp, 227 S., 10 €.

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