Jos van Merendonk in der Kienzle Art Foundation : Der grüne Blick

Dunkelgrün sind alle seine Bilder: Die monochromen Gemälde des niederländischen Künstlers Jos van Merendonks sind derzeit in der Kienzle Art Foundation zu sehen.

Annika Karpowski

Dunkelgrün sind alle seine Bilder. Tatsächlich ist die bevorzugte Farbe des niederländischen Künstlers Jos van Merendonk, dessen Bilder derzeit in der Kienzle Art Foundation zu sehen sind, Chromoxidgrün. Eine Farbe, die eher an Schultafeln, Straßenunterführungen oder Brückenpfeiler erinnert als an Frühling, Flora und Fauna. Unvermischt bringt van Merendonk, Jahrgang 1956, die Acrylfarbe auf die teils großen Leinwände. Die Farbe ist das Konzept in Merendonks monochromer Malerei, die durch und durch abstrakt ist. Um das Grün an sich geht es ihm dabei aber nicht, sondern um die Stofflichkeit des Materials, das von der Farbe bekleidet wird wie von einer Uniform. Unter dem Grün liegen Textur, Dichte und Haptik. Wo alles einfarbig ist, tritt plötzlich die Substanz in den Vordergrund. Und so steht nicht das Grün, sondern unsere Wahrnehmung selbst zur Diskussion.

Je grüner die Bilder, so ließe sich behaupten, desto unterschiedlicher ihre Form. Während Merendonk bei der Wahl der Farbe berechenbar, ja geradezu konservativ zu Werke geht, überrascht er auf den zweiten Blick mit immer wieder neuen Strukturen, einem anderen Pinselduktus, einem noch nicht gesehenen Farbauftrag. Mal schlängeln sich feine, schnelle Schwünge auf einer blanken weißen Fläche, mal ist die Farbe zu Klumpen gehäuft, neben der Kohlevorzeichnungen auftauchen. Anderswo kommen Werkzeuge wie Rolle und Spachtel zum Einsatz, die aus dem Archiv der Kunstgeschichte schöpfen und an vergangene Epochen oder Malerkollegen erinnern. Merendonks Bilder sind demnach auch eine Prüfung für das Formengedächtnis des Betrachters. Je länger man schaut, desto mehr Muster entdeckt man. Je mehr man entdeckt, desto wichtiger werden feine Unterschiede, Variationen, Geometrien. Nuancen übernehmen Hauptrollen und sich wiederholende Formen zu klaren Orientierungspunkten. So wird beispielsweise ein immer wieder auftretendes Oval zum stetigen Begleiter des suchenden und forschenden Blicks.

Diese Haltung des akribischen Sehens wird in dieser Ausstellung zu einer nicht endenden Übung, die man am Ende wie eine neue Gewohnheit mitnimmt. Ganz nebenbei macht diese Ausstellung auch das Programm der Foundation sichtbar. Ihr Stifter Jochen Kienzle setzt noch immer auf das Unangepasste. Wer van Merendonks tafelgrüne Lehrstunde hinter sich hat, wird keine Farbe mehr anschauen, ohne Lust auf das Sezieren der Form zu bekommen.

Kienzle Art Foundation, Bleibtreustr. 54; bis 13.9., Do/Freitag 14–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben