Kultur : Kämpfen!

Wolfs Revier: der Naturthriller „The Grey“.

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Neuerdings häufen sich Meldungen über Wölfe, die durch einsame mecklenburgische Wald- und Heidelandschaften streifen. Die Rückkehr der Raubtiere mag Naturschützer freuen, doch wer den Naturthriller „The Grey – Unter Wölfen“ gesehen hat, dürfte damit eher andere Empfindungen verbinden. Denn der Abenteuerfilm, ein Überraschungserfolg an der US-Kinokasse, zeigt, warum der bereits in Märchen wie „Rotkäppchen“ dämonisierte Canis lupus so große Zähne hat: Damit er auch Menschen fressen kann.

Der Titel könnte auch für den Filmhelden stehen, einen wortkargen, einzelgängerischen Jäger, ergraut in Diensten eines Ölunternehmens, für das er Bohrarbeiter in Alaska vor wilden Tieren schützt. Liam Neeson spielt ihn als eine Art Selbstmörder auf Urlaub, der nach dem Tod seiner Frau mit dem Leben abgeschlossen hat, anfangs schon den Lauf seines Gewehrs in den Mund steckt, dann aber nicht abdrückt. Seine Lebensgeister erwachen, als er mit dem Flugzeug in einem Schneesturm abstürzt. Acht Überlebende kämpfen sich in einer Eiswüste aus dem Wrack, Neeson wird ihr Anführer. Sie treten an gegen die Kälte, den Hunger – und ein Großrudel Wölfe, von dem im nächtlichen Fackelschein nur die böse funkelnden Augenpaare zu sehen sind.

Die Schicksalsgemeinschaft der Männer – man kennt ein solches Typenpanoptikum aus allerlei Katastrophenfilmen – vereinigt unter anderem einen nervösen Ex-Häftling (Frank Grillo), einen bebrillten Bücherwurm (Dermot Mulroney) und einen irre wirkenden Schwarzen (Nonso Anozie). Ohne Navigationssystem und funktionstüchtige Waffen in einer Welt durchzuhalten, in der das Gesetz vom Fressen oder Gefressenwerden gilt, dafür sind sie ungeeignet. Nur Neeson weiß, worauf es ankommt: in Bewegung bleiben, den Wald erreichen, der Schutz bietet, dann den Fluss dahinter, an dem es Posten der Zivilisation geben muss.

Regisseur Joe Carnahan hat den blutigen Survival-Trip wie einen Western inszeniert. Eine Handvoll Männer durchquert eine bedrohliche Wildnis, in der ein unsichtbarer Feind lauert. Nur dass das Geheul, mit dem sich der Feind verständigt, nicht von Indianern stammt. Wer sich zu weit vom Lagerfeuer entfernt, muss damit rechnen, zerfleischt zu werden. So folgt die Dramaturgie des Films dem Abzählreim von den zehn kleinen Negerlein. Alles läuft auf den Showdown zwischen den beiden Alphatieren zu, Liam Neeson und einem schwarzen Wolf von der Größe eines ausgewachsenen Kalbs.

in 14 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony Center

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