Kids in Hollywood : Sofia Coppolas "The Bling Ring" oder Die Marke ist alles

Kleider machen Stars: Sofia Coppolas neuer Film erzählt von einer Teenager-Clique in Hollywood, die in Promi-Villen einbricht. Die Story basiert auf einer wahren Begebenheit.

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Nicki (Emma Watson) auf Raubzug in einer Hollywoodvilla. Die Story beruht auf wahren Ereignissen: gutsituierte Teenies brechen in die Villen ihrer Hollywoodidole – Paris Hilton, Lindsay Lohan, Orlando Bloom – ein, um Markenklamotten zu stehlen.
Nicki (Emma Watson) auf Raubzug in einer Hollywoodvilla. Die Story beruht auf wahren Ereignissen: gutsituierte Teenies brechen in...Foto: Tobis Filmverleih

Was braucht der Mensch zum Glücklichsein? Einen begehbaren Kleiderschrank, 300 Paar Schuhe, mehrere Kisten Schmuck und Sonnenbrillen für eine ganze Armee. Absurd, etwas anderes anzunehmen. Jedenfalls in Hollywood, wo sich manche Kreise für diesen Lifestyle rühmen, und leere Portemonnaies schlichtweg ignorieren. Für kalifornische Teenager ist es darum besonders schwer, Sinn oder Unsinn der hohen Louboutin-Dichte auszumachen: Teure Designerkleidung sieht gut aus – und fühlt sich super an, weil man sich damit denen nahe wähnt, die sie sich echt leisten können. Kleider machen Leute, und Starkleider machen Stars.

Der "Bling Ring", die echte Teenie-Gang, flog durch Eitelkeit auf

Auf dieser simplen Rechnung und einer wahren Begebenheit, die sich 2009 in den Hollywood Hills zutrug, basiert Sofia Coppolas „The Bling Ring“, der dieses Jahr auf den Filmfestspielen in Cannes Premiere feierte. Eine Clique privilegierter Teenager bricht in abendlich verwaiste Hollywood–Starvillen ein und bringt Prominente wie Paris Hilton oder Lindsay Lohan um wertvolles Geschmeide. Bei Facebook haben die Jugendlichen herausbekommen, wer wann nicht zu Hause ist, bei „Google Maps“ recherchieren sie die Adressen, der Schlüssel liegt unter der Matte, oder eine Terrassentür ist nicht abgeschlossen.

Es ist eine groteske Ausgangssituation, die Coppola leichthändig und bildsicher um ihre fünf Protagonisten inszeniert – allen voran Katie Chang als Rebecca und Israel Broussard als ihr neuer, nach Cliquenanerkennung dürstender Kumpel Mark. Anfangs steckt der Film voll gewitzter Beobachtungen der Überflussgesellschaft, voll Kapitalismuskritik, die in der fast schon sozialphilosophischen, nur nach außen hin skrupellos wirkenden Handlungsweise der juvenilen Räuber gipfelt: Sorgen die fünf nicht nur dafür, dass Eigentum gleichmäßig verteilt wird? Und hieß es bei einem Philosophen nicht mal, Eigentum sei Diebstahl? Wieso verdient dann Paris Hilton all die schönen Dinge? Sie arbeitet nicht (sichtbar) und sieht auch nicht besser aus als die Valley Girls und Boys im entsprechenden Outfit.

Der „Bling Ring“, der durch einen „Vanity Fair“-Artikel („The suspects wore Louboutins“) der Öffentlichkeit bekannt wurde, flog – im richtigen Leben wie im Film – durch Eitelkeit auf: Die Teens stellten denn doch ein paar Schnappschüsse zu viel bei Facebook ein, auf denen sie stolz mit Lindsays Fellweste und Paris’ Hermès Bag posierten, und auch einmal zu viel prahlten sie vor ihren Schulkameraden von der Idiotensicherheit der Beuteabenteuer. Vielleicht wäre es sonst nie herausgekommen: Vor allem die ersten Diebeszüge schienen die Prominenten nicht zu kratzen – es dauert schon eine Weile, bis Paris Hilton merkt, dass drei von 1000 Täschchen fehlen.

Paris Hilton erlaubte dem Filmteam, in ihren Schuhschränken herumzustöbern

Dass die echte Paris Hilton dem Filmteam tatsächlich die Tore ihrer vollgestopften Villa öffnete und die Schauspieler im Klubraum an die Poledance-Stange und im Schuhparadies herumstöbern ließ, ist eine der Zweideutigkeiten von Coppolas Film, aus denen man allerlei herausinterpretieren könnte. Doch nach dem rasanten Anfang, der die Rivalitäten innerhalb der Clique, Marks Hintergrund als einziger akzeptierter Junge und die sorglose Dreistigkeit der gemeinsamen Aktivitäten anreißt, entscheidet sich die Regisseurin merkwürdigerweise dafür, die Geschichte einfach ausplätschern zu lassen. Und so verschwimmen die großartigen Nachtbilder der beleuchteten Villen, aus denen Schatten auf High Heels Säcke mit Klimperkram schleppen.

Ein Diebeszug ähnelt dem anderen, das Feiern danach ebenfalls, Moralkonflikte, Liebe, Neid bleiben in den Designerpumps stecken, und die Rahmenhandlung, in der die Polizei der Clique auf die Schliche kommt und die Anführerin sich absetzt, schleppt sich müde dahin. Am Ende erzählt Cliquenzicke Nicki (Emma Watson) der „Vanity Fair“-Reporterin, dass sie inzwischen geläutert sei, was zwar herrlich aberwitzig wirkt, die fehlende Dramaturgie jedoch nicht wettmachen kann. „The Bling Ring“ bleibt in der Schlagzeile stecken.

In neun Berliner Kinos

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