Killerspiele einst und jetzt : Die kleine Guillotine

"Mord und Blutvergießen als einen Zeitvertreib." Caroline Fetscher ist mit Goethes Mutter gegen Killerspiele.

"Man zielt nicht auf Menschen!“, hieß es, wenn wir als Kinder mit Plastikflinten „Bonanza“ nachspielten. Wir zielten natürlich doch, Peng! – wie die großen Leute im Film. Kinder ahmen Erwachsene nach. Sie spielen Vater-Mutter-Kind, Schule, Kochen, Kaufladen, Baggerfahrer, Kranlenker. Die meisten Baustellen im Sandkasten der Kindheit spiegeln die Welt der Großen.

Zuzeiten der Zinnsoldaten lehrte man die frommen Kindlein singen: „Morgen kommt der Weihnachtsmann / Kommt mit seinen Gaben / Trommel, Pfeife und Gewehr / Fahn und Säbel und noch mehr / Ja ein ganzes Kriegesheer / Möcht’ ich gerne haben.“ Möcht’ ich gerne haben? Die Kinder wollen das nun mal, behaupteten nicht nur Eltern und Spielzeugfabrikanten. Wir wollen die Bedürfnisse der Kinder nicht unterdrücken, sagen sie heute und blenden aus, dass die Hersteller all der Dinge immer Erwachsene sind. Nie haben Kinder solche Möcht-ich-haben-Sachen oder gar deren reale Vorbilder entworfen und produziert.

Gelegentlich dämmerte das manchen Erwachsenen – Katharina Elisabeth Goethe zum Beispiel, der Mutter des deutschen Dichterfürsten. Goethe, der in Weimar erfahren hatte, dass Miniatur-Guillotinen als Spielzeug angeboten wurden, bat seine Mutter, ihm aus Frankfurt am Main ein Exemplar für den kleinen Sohn August zu schicken. Die „Frau Rat“ antwortete ihrem Johann Wolfgang in einem Brief vom 23. Dezember 1793: „Lieber Sohn! Alles was ich dir zu gefallen thun kan, geschieht gern und macht mir selbst Freude – aber eine solche infame Mordmaschine zu kaufen – das thue ich um keinen preiß – wäre ich Obrigkeit (…) die Maschine hätte ich durch den Schinder offendtlich verbrennen laßen – was! die Jugendt mit so etwas abscheuliches spielen zu laßen – ihnen Mord und Blutvergießen als einen Zeitvertreib in die Hände geben – nein da wird nichts draus.“

Zweihundert Jahre später, im Zeitalter der modernen Kriege und des Terrorismus, passen die Erwachsenen in den Spielzeugkonzernen die Produkte dem Stand der Technik an. Sie programmieren jetzt Videospiele mit Killer-Thrill. Was soll man machen. Die Erwachsenen wollen das nun mal.

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