Kinderfilm "Doktor Proktors Pupspulver" : Jo Nesbø mit Flatulenz

Geruchslose Fürze und ein schlangenartiges Riesenmonster: Jo Nesbø setzt in „Doktor Proktors Pupspulver“ auf Brachialhumor. Der Film tut es ihm gleich.

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Die Schauspieler Kristoffer Joner (Doktor Proktor, l), Emily Glaister (Lise, M.) und Eilif H. Noraker (Bulle) besprechen sich in der deutsch-norwegischen Koproduktion "Doktor Proktors Pupspulver".
Die Schauspieler Kristoffer Joner (Doktor Proktor, l), Emily Glaister (Lise, M.) und Eilif H. Noraker (Bulle) besprechen sich in...Foto: Michael Reichel/dpa

Der Mann, der aussieht wie Catweazle, mischt in seinem Labor blaue und grüne Flüssigkeiten. Er schüttelt die Phiolen, es dampft und brodelt. Am Ende ist ein moosgrünes Pulver entstanden, das es in sich hat. Als der Junge, der aussieht wie Pippi Langstrumpf, es probiert, färbt er sich grün und gibt dann einen Pups von sich, der das Haus erschüttert. „Der Wahnsinn!“, lautet sein Kommentar. „Flatulenz“, entgegnet der Mann. Darauf der Junge, ratlos: „Hääh?!“ Und das Beste am Pulver ist, dass es völlig geruchslose Fürze auslöst.

Der Mann mit den wirr abstehenden weißen Haaren ist der zerstreute Wissenschaftler Doktor Proktor (Kristoffer Joner), der bislang nur Sachen erfunden hat, die niemand braucht. Auch sein Pupspulver sollte eigentlich gegen Haarausfall helfen. Tut es aber nicht. Aber wenn man genug davon schluckt, kann man fliegen. Sehr hoch. Nur bei der Landung muss man vorsichtig sein.

Der Held von „Doktor Proktors Pupspulver“ mit den roten Haaren und dem blassen Sommersprossengesicht heißt Bulle (Eilif H. Noraker). Er ist klein, aber mutig, gerade neu in Oslo und schon der beste Freund von Lise (Emily Glaister), der Heldin des Films. Genau genommen ist er ihr einziger Freund. Der Erfinder und die beiden Kinder müssen es mit einer Galerie übler Schurken aufnehmen, denn das explosive Pulver ist natürlich auch militärisch interessant. Außerdem taucht ein schlangenartiges Riesenmonster auf, das in der Kanalisation haust.

Jo Nesbø ganz unblutig

Den norwegischen Schriftsteller Jo Nesbø kennt man hierzulande vor allem als Schöpfer blutiger Krimis. Dabei ist er auch als Kinderbuchautor erfolgreich. Die Bände der 2007 gestarteten „Doktor Proktor“-Reihe wurden in zehn Sprachen übersetzt. Gerade wird „Doktor Proktors Zeitbadewanne“ verfilmt. Ein Film, der von den Antriebskräften von Fürzen handelt, setzt auf Brachialhumor. Für Kinder ist das toll. Erwachsene Begleiter amüsieren sich vielleicht unter Niveau. Aber immerhin: Sie amüsieren sich.

Regisseur Arild Fröhlich erweist sich in seinem zweiten Kinderfilm als Meister der Zuspitzung. Herr Thrane (Atle Antonsen) gibt als feister, schmierhaariger und zigarrenkauender Oberbösewicht die Karikatur eines Möchtegerndiktators mit einer Kommandozentrale wie bei James Bond. Und der deutsche Gaststar Anke Engelke spielt eine verhärmte Patentamtschefin mit Schneckenfrisur wie von Prinzessin Leia. Erwachsene, das ist die Botschaft dieses leicht surrealen Films, sind Pupsgesichter.

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