Kino : Fury im Krieg

„Gefährten“: Steven Spielbergs Epos über ein Pferd und seine Freunde ist ein seltsamer Film, eine krude Mischung aus Genremalerei, „Saving Private Ryan“ und "Fury".

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Friedensgalopp. Das Pferd Joey (links) ist in heikler Mission unterwegs. Foto: Dreamworks
Friedensgalopp. Das Pferd Joey (links) ist in heikler Mission unterwegs. Foto: Dreamworks

Auch wenn es oft heißt, dass Filmemachen wie Kriegführen sei, in zwei Punkten unterscheiden sich die Schlachtordnungen doch. Der Tod ist im Kino nicht echt, und Tieren wird niemals ein Haar gekrümmt. Für Letzteres sorgen strenge Gesetze. Im Krieg ist das anders, noch in den Kriegen des 20. Jahrhunderts wurden Tiere eingesetzt, gequält, geopfert, getötet, Pferde vor allem. Sie ziehen mit der Kavallerie ins Feld, werden vor Kanonenrohre geschirrt, bis sie erschöpft zusammenbrechen, Nachschub ist reichlich vorhanden. Von einem dieser tapferen Schlachtrosse erzählt Steven Spielberg in seinem 146-minütigen Schlachtengemälde „Gefährten“. Und von dessen Freund, dem britischen Bauernsohn Albert (Jeremy Irvine), der es in seiner Jugend dressiert hat. Ein seltsamer Film, nach Michael Morpurgos Familienroman „War Horse“ von 1982, der auch fürs Theater adaptiert wurde, eine krude Mischung aus Genremalerei, „Fury“ und „Saving Private Ryan“.

Es fängt beschaulich an, in England, bei Alberts Familie, einfachen Farmern, die vom Großgrundbesitzer ausgebeutet werden. Charles Dickens in der Provinz, mit bettelarmen, herzensguten Menschen, Emily Watson als sich abrackernder Mutter, mit der idyllisch-rauen Landschaft von Dartmoor, Sonnenuntergängen und sattem Orchester-Soundtrack. Das Pferd „Joey“ pflügt den steinigsten Acker – eine pathetische Heldenszene – und wird von Alberts Vater an die Kavallerie verkauft, die Not ist groß. In Frankreich gerät Joey bald in deutsche Kriegsgefangenschaft und in wechselnde Gräuelszenarien des Ersten Weltkriegs. Merkwürdigerweise trifft er während seiner Odyssee ständig auf Menschen, die es gut mit ihm meinen.

Mitten im Gemetzel besinnt sich das alte, aufgeriebene Europa seines Humanismus, kaum dass der Rappe mit den treuen braunen Augen auftaucht. Der britische Offizier, der ihn schont, ein blutjunger deutscher Infanterist (David Kross), der sich hingebungsvoll um seinen kleinen Bruder sorgt, ein alter Franzose (Niels Arestrup) mit seiner zarten, an einer Knochenkrankheit leidenden Enkelin, der Veterinär in Uniform: Sie alle entdecken dank Joey Tugenden wie Mitleid, Kameradschaft, Courage, Loyalität. Zu Hause in England meldet sich Albert freiwillig zum Kriegsdienst, um in den Heereslagern und Schützengräben nach seinem vierbeinigen Freund zu suchen.

Der Showdown findet im Niemandsland statt. Joey lässt sich die Freiheit nicht nehmen, galoppiert immer wieder davon, durchbricht Zäune und Grenzen, irrt über verbrannte Erde, zwischen Baumstümpfen und loderndem Inferno, eine irreale Szenerie, getränkt von apokalyptischem Kitsch. Als sich das Pferd im Stacheldrahtverhau verfängt, wird es zur blutig geschundenen Kreatur, ein Schmerzenstier mit Dornenkrone. Bis die Feinde sich seiner erbarmen, und Peter aus Düsseldorf (Hinnerk Schönemann) von der einen sowie ein Brite von der anderen Seite sich mit Bolzenschneidern aufmachen, um Joey in friedlich konzertierter Aktion die Freiheit zu schenken.

Schickt Pferde in den Krieg, dann werden Mörder zu Menschen? Ach, wenn’s so einfach wäre.Christiane Peitz

Ab Donnerstag im Kino in der Kulturbrauerei, Cineplex Alhambra, Cineplex Spandau, Cineplex Titania Palast.

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