Kino-Sequel "Die Unfassbaren" : Tricks, Magie und fauler Zauber

Kino ist Illusion. Aber den Illusionismus macht es selten zum Thema. Das Sequel zu "Die Unfassbaren" führt nach Macao, in eine Metropole des Glücksspiels - und der Pechsträhnen.

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Magische Momente in Macao. Lula (Lizzy Caplan, Mitte) kennt alle Tricks.
Magische Momente in Macao. Lula (Lizzy Caplan, Mitte) kennt alle Tricks.Foto: Concorde

Dass sich die Illusionsmaschine Kino auch mit den Illusionisten im wahren Leben beschäftigt, ist keine Überraschung. Allerdings sind, im Gegensatz zu den ins Fantasy-Genre gehörenden „echten“ Zauberern wie Harry Potter oder Gandalf aus „Herr der Ringe“, Filme über Bühnenzauberer, Hypnotiseure und Entfesselungskünstler eher selten.

In der knapp 70 Titel umfassenden Magier-Filmografie finden sich Biopics wie „Houdini“ (1953) oder Klaus Maria Brandauers Verkörperung des jüdischen Mentalisten Hanussen in István Szabós gleichnamigem Film von 1988 und Komödien wie „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ (2013) oder Woody Allens nostalgischer „Magic in the Moonlight“. Und ein Meilenstein des Sujets: Christopher Nolans grandioses Drama „The Prestige“ (2006), in dem sich Christian Bale und Hugh Jackman in spätviktorianischem Setting als verfeindete Trickmagier ein Duell auf Leben und Tod um die Gunst des Publikums liefern.

Vier hochbegabte Falschspieler

Die Einführung von entsprechend begabten Protagonisten ins populäre Genre des Heist-Movies ließ hingegen bis 2013 auf sich warten: „Die Unfassbaren“ (Originaltitel: „Now You See Me“) erzählte von vier hochbegabten Zauberkünstlern, die in spektakulären Raubzügen das FBI, einen Versicherungsmagnaten und ihren Erzkonkurrenten hinters Licht führen. Rasant inszeniert von Action-Spezialist Louis Leterrier („Kampf der Titanen“) und auftrumpfend mit verblüffenden Plot-Twists, pointierten Dialogen und einem Star-Ensemble (Woody Harrelson, Mark Ruffalo, Isla Fisher, Jesse Eisenberg, Morgan Freeman, Michael Caine), spielte der Film fast das Fünffache seines 75-Millionen-Dollar-Budgets ein. Für Hollywood Grund genug, eine Fortsetzung in Auftrag zu geben.

Der Böse. Technologie-Tycoon Walter Mabry (Daniel Radcliffe).
Der Böse. Technologie-Tycoon Walter Mabry (Daniel Radcliffe).Foto: Concorde

In „Die Unfassbaren: Now You See Me II“ wird das auf einem Posten veränderte Quartett (Isla Fisher wurde ohne Substanzverlust durch Lizzy Caplan ersetzt) selbst Opfer eines Coups und findet sich – nach Macao entführt – in der Gewalt des exzentrischen Technologie-Tycoons Mabry (Daniel Radcliffe) wieder. Der nötigt sie, einen experimentellen Computerchip aus dem Höchstsicherheitstrakt eines Software-Konzerns zu entwenden, was nur unter Aufbietung aller Trickdiebfähigkeiten gelingt. Bei der unausweichlichen Revanche im verregneten London sind nicht nur wahre und vermeintliche Erzfeinde wieder Teil des abgekarteten Spiels, es werden auch – scheinbar – Naturgesetze außer Kraft gesetzt und Stürze aus Düsenjets überlebt, bevor ein erstauntes Live-Publikum die Auflösung der Geschehnisse erleben darf.


Leider scheitert der neue Regisseur Jon Chu („G.I. Joe – Die Abrechnung“) beim Versuch, das charmante Original zu übertrumpfen. Schon der Bruch im Hightech- Konzern ist höchst unglaubwürdig – jedenfalls darf man doch hoffen, dass sich keine Security von läppischen Kartentricks und weiblichen Reizen ablenken lässt. Auch die Making-of-Auflösung des Showdowns ist zwar originell, im Detail aber nicht gerade überzeugend. Die erzählerische und handwerkliche Sorgfalt, die etwa in den chirurgisch präzisen Einbrüchen der „Ocean's Eleven“-Reihe steckt, fehlt hier schmerzlich.

Was dann doch fehlt, ist der Flow

Schwerer wiegt, dass dem Sequel jeglicher Flow abgeht: Die zwischen Locations und Akteuren springenden Szenen sind ohne Rhythmus und oft bar jeder Logik verknüpft. Zudem traut der Film der „magischen“ Überzeugungskraft seines Plots nicht und versucht dies durch forcierten Einsatz von CGI-Effekten zu kompensieren, was dem Ensemble weniger Raum zur selbstironischen Entfaltung lässt.
Der wahre Trick von „Now You See Me II“ besteht darin, dass es den Machern gelungen ist, mit Erfolg diesen kalten Zauberkaffee aufzutischen: Nicht zuletzt dank des für Hollywood immer wichtigeren Kinomarkts China hat der Film schon über 300 Millionen Dollar eingespielt – bei 90 Millionen Kosten. Simsalabim!
In Berlin in 17 Kinos; OV: Cinestar SonyCenter, Alhambra, Colosseum, Neukölln Arcaden

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