Beziehungsdrama : "Affären à la carte": Wer mit wem?

Elegantes Geplänkel bei Käse und Wein, ein schnelles Techtelmechtel im Bad, und am Ende sind alle kreuzunglücklich und geben sich gut unterhalten - so sollen französische Gesellschaftskomödien sein.

Christina Tilmann

Bigos ist wirklich nicht jedermanns Sache. Für französische Zungen mag das deftige polnische Nationalgericht, ein Krauteintopf, tatsächlich eine Zumutung sein. Und so wird im Auto, auf dem Weg zur Abendeinladung, auch kräftig gelästert. Ist es doch überhaupt das Schönste, im Freundeskreis übereinander herzuziehen: Wer hat mit wem, und mit wem nicht mehr, oder vielleicht doch ...

So sollen französische Gesellschaftskomödien sein, und genau so löst Regisseurin Danièle Thompson, die auch das Buch zu ihrem vierten Film gemeinsam mit ihrem Sohn Christopher schrieb, die Erwartungen ein. Vier Freundespaare haben sich die Staranwältin ML (Karin Viard) und ihr Mann Piotr (Danny Boon) zum gepflegten Abendessen geladen. Affären, Freundschaften, Verwandtschaft oder heimliche Feindschaft verbinden sie. Es folgt: elegantes Geplänkel bei Käse und Wein, ein schnelles Techtelmechtel im Bad, und am Ende sind alle kreuzunglücklich und geben sich gut unterhalten.

Was für ein Leben, in diesem vergoldeten Käfig von Ehe und Karriere, wo die größten Aufreger eine neue Küche, ein falsches Kleid, ein verpatztes Date oder ein überzähliger Partygast sind. Glücksmomente sind höchstens ein Rock’n’Roll im Kinderzimmer, und verlassen kann man diese Kreise nur durch Scheidung, Krankheit oder Jobverlust. Frauen sind zwar berufstätig, aber nur in Maßen und trotzdem am Familienerhalt interessiert, sonst sind sie Zicken. Und am Ende heißt es: Stand by your man.

Im Presseheft stellt man Danièle Thompsons Leichtgewicht in eine Reihe mit Claude Chabrol; Stars von Emmanuelle Seigner bis zu Pierre Arditi geben sich die Ehre. „Le code a changé“, heißt der Film im Original, in Anspielung auf den veränderten Türcode, der für einige Verwirrung sorgt. Der Code im neuen französischen Kino hat schon längst gewechselt. Christina Tilmann

Cinemaxx, FT Friedrichshain, Kulturbrauerei, Passage; OmU im Cinema Paris

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