Elliot Tiber : Freiheit!

Der Macher: Elliot Tiber über das Festival 1969

Ohne Sie hätte das Woodstock-Festival gar nicht stattfinden können. Wie kam’s?



Ich war Handelskammer-Präsident von White Lake/Bethel und hatte die Genehmigung für ein kleines Musik- und Kunstfestival. Als der Nachbarort Walkill dem Woodstock-Veranstalter seine Festivallizenz kurzfristig entzog, habe ich ihm meine eigene angeboten. Und ihn an den Farmer vermittelt, auf dessen Kuhweide das Festival schließlich steigen konnte.

Wie war White Lake/Bethel damals?

Es ist ein sehr kleines Dorf in den Catskill Mountains. Früher florierte es als Naherholungsgebiet bei New York, Ende der Sechziger aber waren die alten Motels längst dichtgemacht. In der Gegend lebten Bauern, Rednecks, Alkoholiker und viele schlecht gelaunte Leute. Und plötzlich zog eine halbe Million Blumenkinder in den Ort ein! Ein Kulturschock – aber die Einwohner machten auch eine Menge Geld damit. Nachher haben sie weiter Bier getrunken und auf die Tiere im Wald geballert.

Wie hat sich Ihr eigenes Leben verändert?

Durch Woodstock habe ich mich selbst befreit. Dass da plötzlich alle mit meiner Hilfe dieses Festival feierten – darauf war ich wirklich stolz. Und ich habe mich endlich als schwul geoutet. Später habe ich unser Motel verkauft und bin viel gereist – nach Brüssel, Amsterdam und Paris.

Dabei haben Sie damals vom Bühnengeschehen gar nichts mitgekriegt.

Ich kam nicht weg aus unserem Motel. Das „El Monaco“ diente zuerst als Hauptquartier der Veranstalter, dann wurden da Leute versorgt, die sich verletzt oder schlechte Drogen eingenommen hatten. Immerhin gab es in der Nähe den See, da konnte man fünf Meilen weg von der Bühne das Echo der Musik hören.

In Ihrem Buch verbinden Sie Woodstock auch mit Ihrem Leben in der schwulen Subkultur New Yorks. Das spart der Film aus.

Ang Lee hat meine Geschichte interpretiert und dramatisiert. Er erzählt von einem jungen Mann, der einen Traum hat, und plötzlich wird dieser Traum Wirklichkeit. Ich mag den Film sehr – mit all seinen künstlerischen Entscheidungen.

Wie groß war der Einfluss von Woodstock auf die sogenannte sexuelle Revolution?

Vom Festival ging eine immense sexuelle Befreiung aus. Woodstock lebte das Konzept der freien Liebe vor, das eindeutig besser war als der Krieg in Vietnam.

Brauchen wir ein neues Woodstock?

Unbedingt. Aber das haben schon viele versucht und sind dran gescheitert.

Interview: Martin Schwickert

ELLIOT TIBER, 1935 geboren, Comedian und Theaterautor, gilt als entscheidender Wegbereiter des

Festivals. Auf seinen Erinnerungen „Knock on Woodstock“

basiert Ang Lees Film.

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