Filmkritik : Unglaubwürdig, aber charmant

"Groupies bleiben nicht zum Frühstück" erzählt eine haarsträubend unglaubwürdige Geschichte, doch die hat Charme.

Julian Hanich

Hach, wie schnell dreht sich doch heute die Welt. Kaum ein Jahr war Lila (Anna Fischer) in Amerika, schon hat sich in Deutschland alles verändert. Eine Teenieband aus Celle (!) namens „BerlinMitte“ (!!) verzückt das Land. Die Mädchen kreischen, die Boulevardpresse jauchzt, das Management jubelt, die Blitzlichter gewittern. Nur Lila, die quirlige Göre aus Schöneberg, hat ausnahmsweise keinen blassen Schimmer.

So kommt es, wie es im echten Leben niemals kommt: Lila kehrt von ihrem Auslandsjahr nach Berlin zurück und rennt in der grünen Oase des Botanischen Gartens ahnungslos dem rehäugigen Sänger Chriz (Kostja Ullmann) in die Arme. Fast wie Adam und Eva im Paradies, nur etwas schicklicher bekleidet, stehen die beiden voreinander. Es macht potzblitz. Und beide sind hin und weg. Lila sieht die Welt fortan in rosarot. Für Chriz leuchtet die graue Stadt in den schillernden Farben des Regenbogens. „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ ist ein Märchen, geboren aus dem Geist von „Bravo“ und „Bravo Girl“.

Doch weil sich mit purem Glück kein ordentlicher Spielfilm füllen lässt, stehen auf dem Weg dorthin ein paar Hindernisse im Weg: ein gierig-schmieriger Manager, ein Eifersuchtspaket von Schwester, ein paar superblondierte Megatussis und selbstverständlich Lila selbst. Nicht ohne Grund wird sie von ihrer besten Freundin „Miss Chaos“ genannt. Das kalte Popbusiness und Lilas heißes Herz, die kühle Kalkulation der Nebenbuhlerinnen und Chriz' lodernde Begeisterung verschmelzen zu einem ... nun, soll man sagen: lauwarmen Romantic-ComedyAmalgam?

Nein. Denn Marc Rothemund („Sophie Scholl“) erzählt seine Geschichte zwar haarsträubend unglaubwürdig und vollgeramscht mit sonnigen Postkarten-Idyllen. Dazu hat der Film den vielleicht dämlichsten Titel seit „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" (übrigens auch eine Komödie von Marc Rothemund). Doch irgendwie verströmt „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ einen freundlichen Charme - und das liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern. Anna Fischer hat große Augen, lustige Zähne und ein Gesicht, das mal an Juliette Binoche und mal an die junge Gudrun Landgrebe erinnert. Kostja Ullmann entwindet seinem schmächtigen Boygroup-Körper sogar in den Bühnenszenen eine glaubwürdige Präsenz. Das reicht für hundert launige Minuten. Julian Hanich

In 17 Berliner Kinos

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