Filmrezension : Für Anfänger

Sex (1): "Frontalknutschen“ von Gurinder Chadha. Die Regisseurin und Co-Autorin adaptierte die ersten beiden Bücher der britischen Komikerin Louise Rennison und beweist einmal mehr Geschick beim Casting.

Vincent Venus
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Fit for fun: G. Groomes -Foto: Universal

Ein Jugendzimmer im englischen Seebad Eastbourne, das für Jugendliche etwa so attraktiv ist wie St. Peter-Ording. Ein Bett, ein Junge, ein Mädchen. „Du hast 30 Minuten Zeit, das Küssen von mir zu lernen“, sagt er. Sie heißt Georgia, ist 14 und total verschossen in einen gewissen Robbie, schwarze Lederjacke, E-Bass, Sexgott aus London. Doch der Junge, mit dem sie auf dem Bett sitzt, ist Peter, der König des Küssens.

Küssen ist das Thema in „Frontalknutschen“ von Gurinder Chadha, die 2002 mit „Kick it like Beckham“ berühmt wurde. Chadha bricht aus dem Genre „Indien trifft Westen“ aus, lässt Tradition und Migration beiseite und erzählt mit ironischem Blick von Georgias Suche nach Zuneigung und nach sich selbst. Diesmal steht kein indisches, sondern ein typisch britisches Mädchen im Fokus, Georgia Nicolson: Mittelstand, Reihenhaus und eine kleine Schwester, die ihrem Kater Puppenkleider anzieht und mit dem Tier den Fünf-Uhr-Tee aus Plastiktassen trinkt.

Der Film fängt Georgias Jugend augenzwinkernd ein: Angst vor Pickeln, die Sorge um die Ehe der Eltern und Zickenkrieg mit Rivalin Lindsay – blond, lange Beine, das tiefste Dekolleté. Da sich sowieso das ganze Leben gegen sie verschworen hat, kommt Lindsay natürlich mit Robbie zusammen. Georgia startet ihren Eroberungsplan, der zu gebrochenen Herzen und Kussunterricht führt.

Die Regisseurin und Co-Autorin adaptierte die ersten beiden Bücher der britischen Komikerin Louise Rennison und beweist einmal mehr Geschick beim Casting. Die 16-jährige Georgia Groome spielt die Hauptrolle mit großem Charme und großer Klappe, bleibt natürlich und direkt. Von klamaukigen Hollywoodproduktionen wie „Girls Club – Vorsicht bissig!“ oder „Clueless – Was sonst!“ unterscheidet sich Chadhas Film auch dank des britischen Humors. Ab und zu droht der Film in die Kitschfalle zu gehen, aber so ist es eben mit 14: „Kapiert endlich, was ich bin: eine Frau.“ Ein Film für Prä- oder Postpubertierende und für Jugendliche, die voll dabei sind. Vincent Venus

In 15 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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