Kino : Nach der Party

Nina Hoss in „Das Herz ist ein dunkler Wald“

Jan Schulz-Ojala

Sie sind, in Christian Petzolds „Yella“, das deutsche Schauspielerpaar des Jahres: Devid Striesow und Nina Hoss. Und auch sonst präsent: im Theater, im Fernsehen, im Kino. Wunderbar wandlungsfähig (er) und schlagend eindrücklich (sie) zieht das Duo einen wie von selbst in Bann; fast ist es egal, was sie spielen.

Fast. In Nicolette Krebitz’ „Das Herz ist ein dunkler Wald“ tänzeln sie scheinbar leicht aus ihrem Erfolgsjahr davon, aber es ist der Tanz zu viel, das Glas zu viel am Ende eines Maskenballs, dem nur der müde Morgen bleibt. Sechs Jahre nach dem wild unvergorenen Regiedebüt „Jeans“ legt Krebitz ihren zweiten Film vor, eine Etüde über Fraueneinsamkeit; und doch, mit Striesow und Hoss und ein paar weiteren wackeren Matrosen der Fantasie geht das Vorhaben fast vom Fleck weg unter.

Marie und Thomas leben mit zwei süßen Kindern in einem Siedlungs-Einfamilienhaus: eigentlich langweilig. Nur lebt Thomas mit einer weiteren Frau (Franziska Petri) und Kind ein paar Kilometer weiter in einem fast identischen Haus: schon gruselig. Und dann entdeckt Marie das zufällig: der Schrecken fürs Leben. Und eine großartige Exposition fürs Kino.

Nur macht Krebitz nichts draus. Sie interessiert sich weder für Ursachen noch für Konflikte, sondern bloß für das stillbrüllende Trauma Maries – und so muss Nina Hoss als Schmerzensreiche einen Tag und eine Nacht lang durch den Film taumeln, bis sie im Off eine herbeigeraunte Schreckenstat vollzieht. Vorher: eine längliche Partynacht mit Spukfiguren, Spukereignissen und, nunja, einem Spukfick im Morgengrauen.

Wie „Eyes Wide Shut“ in der späten Mitte kommt Krebitz’ Film zum dröhnenden Stillstand, aber schon früh. Anders als bei Kubrick, der den klaren, fremden Blick auch auf das entfesseltste Panoptikum nie verloren hat, sind hier bald alle Zombies. Die tragische Folge? Kein Mitleiden mehr, nirgends. Keine Läuterung. Also: keine Erfahrung. Nur das traurige Behelligtsein durch Wörter und Bilder, die immerzu und immer noch etwas bedeuten wollen. Jan Schulz-Ojala

Broadway, Cinemaxx Potsdamer Platz, Friedrichshain, Hackesche Höfe, Rollberg

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