Wie weit noch?" : Reisen lernen mit Tania Hermida

Schönes Debüt aus Ecuador: "Wie weit noch?". Der Film der Ecuadorianerin Tania Hermida, schlingert lange munter realitätsnah durch allerlei Zufallsbegegnungen.

Jan Schulz-OjalaD

Filme, in denen versonnene bis kauzige Protagonisten Urnen mit der Asche lieber Verwandter von A nach B tragen, wandeln gerne zwischen Melancholie und Komik. Die Melancholie rührt, natürlich, vom großen Abschied her; fürs Heitere sorgt der Umstand, dass die sterblichen Überreste nur selten am gewünschten Ziel landen. Nicht selten schwebt die Asche statt übers Meer – so will es die schlimme Drehbuch-Bö – direkt in die Nasenlöcher der Hinterbliebenen.

„Wie weit noch?“, das Debüt der Ecuadorianerin Tania Hermida, schlingert lange munter realitätsnah durch allerlei Zufallsbegegnungen; als aber der freundliche Althippie Jesús (Pancho Aguirre) auf den Plan tritt, mit der Urne seiner Großmutter unterm Arm, ist sonnenklar, dass das zuweilen dicht an der Ereignis-Nachweisgrenze siedelnde Roadmovie ein gutes Ende findet. Und tatsächlich: Auch diese Urne „nimmt eine Abkürzung“. Milde gesprochen, Jesús!

Ansonsten: Jugend. Die spanische Reisebüroangestellte Esperanza (Tania Martinez), die zunächst beziehungsreich in der Pension „Gringa loca“ (also: Verrückte Weiße) logiert, ist Ende 20, die ecuadorianische Studentin Teresa (Cecilia Vallejo), die sich Tristeza (also: Traurigkeit) nennt, ein paar Jahre jünger. Die eine will mal eben Vulkane filmen, die sich angesichts solch tumber Ausbeutungsimpulse prompt verhüllen; die andere bricht grimmig auf, die Heirat eines abtrünnigen Geliebten zu verhindern. Hinzu kommen Jesús und ein, zwei weitere Typen – allesamt eher kuriose Schrullköppe als Latino-Machos. Große neue Lieben bleiben da aus, die ganz tolle Mädchenfreundschaft ebenso.

Das mag einem Konzept geschuldet sein, einem sympathischen zumal; aber wovon erzählt der Film dann? Ein sehr zartes Bisschen davon, wie jeder romantisch-touristische Blick letztlich an sozialer Realität zerschellt, gerade so wie Kleinejungs- und Kleinmädchenträume am Erwachsenwerden zerschellen. Vor allem aber erzählt er vom Reisen selber, von seiner echtesten und leider fast ausgestorbenen Form: vom Trampen.

Das Schöne daran ist ja nicht eigentlich das Weiterkommen, sondern der Stillstand unterwegs. Ein Kiosk, eine Kreuzung, eine sich ins Irgendwo zerläppernde Dorfstraße, und was erst so leer wirkt, wenn man aussteigt in der Zufallsfremde, belebt sich. Ein paar Menschen. Man redet. Man vertreibt einander die Zeit. Alles ist zwischendurch. Und alles geht weiter. Am weitesten, natürlich, Großmutters Reise. Jan Schulz-Ojala

Central (OmU), fsk, (OmU), Lichtblick

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