Kultur : Kinowelt übernimmt nun auch den ältesten deutschen Filmverleih

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Eine knappe Woche nach der Übernahme des traditionsreichen Filmverlags der Autoren macht der Verleih-Riese Kinowelt Medien AG erneut Schlagzeilen: Mit dem Kauf der Berliner Jugendfilm GmbH gehört nun auch der mit 65 Jahren älteste deutsche Filmverleih zu dem Münchner Konzern-Imperium. Das Familienunternehmen war von einem Onkel des 1995 verstorbenen Berliner CDU-Politikers Jürgen Wohlrabe gegründet, von diesem selbst lange Jahre geführt und dann an die Kinder Judith und Marc Wohlrabe vererbt worden. Marc Wohlrabe, der 80 Prozent der Anteile hält - Geschäftsführer ist seit knapp zwei Jahren Chris Koppelmeier -, machte zuletzt als Wahlkampf-Berater des Regierenden Bürgermeisters Diepgen von sich reden.

Wie Koppelmeier gestern gegenüber dem Tagesspiegel sagte, suchte Jugendfilm - Umsatz 1998: 16 Millionen Mark - schon seit einiger Zeit einen Partner, vor allem vor dem Hintergrund immer härterer Marktbedingungen im internationalen Lizenzgeschäft. Kleinere Verleiher könnte im Poker mit den US-Produzenten, die Filme überwiegend nur noch paketweise verkaufen, nur noch schwer mithalten. Auch habe Jugendfilm als Familienunternehmen nicht das Risiko eines Börsengangs eingehen wollen. Nun bleibe man unter dem Dach der Kinowelt als Unternehmen eigenständig - und fülle zugleich mit den eigenen Kinder- und Jugendfilmen eine Lücke in deren Angebot. Auch den seit einigen Jahren aufgebauten Handel mit neuen deutschen Filmen - etwa "Meschugge", "Härtetest" und "Frau Rettich, die Czerni und ich" - wolle man weiter pflegen.

Der Jugendfilm-Stock besteht aus rund 200 Titeln mit Spiel-, Zeichentrick- und klassischen Märchenfilmen. Zu den erfolgreichsten Trickfilmen gehören alle "Asterix"-Hits und die "Benjamin Blümchen"-Filme, außerdem hat Jugendfilm unter anderen die "Pippi Langstrumpf"-Filme im Verleih. Jugendfilm soll neben den Labels Kinowelt (für große Unterhaltungsfilme), Arthaus (für den internationalen Autorenfilm) und dem Filmverlag der Autoren nun als viertes Verleih-Label der Kinowelt Medien AG geführt werden. Mit den jüngsten Erwerbungen verfügt das Unternehmen Kinowelt, das seinen Umsatz 1998 mit 210 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr fast verdoppeln konnte, nun über über einen Stock von rund 10 000 Filmen. An die Börse ging Kinowelt 1998 als ersten deutscher Kino-Händler, und seit diesem Jahr expandiert Kinowelt-Chef Michael Lölmel auch in reichlich kinofremdem Terrain: Fußball. Mit Investitionen auf eigene Rechnung will er gleich sieben Clubs - von FC Union Berlin bis zum SSV Ulm - auf die Siegerstraße bringen.

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