Klaus Lemke zum 75. : Der Rocker

Kult und Guerilla: Der Kino-Cowboy Klaus Lemke wird 75 und schimpft munter wie immer auf die deutsche Filmbranche.

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Klaus Lemke
Schwabinger Kino-Cowboy: Klaus Lemke, geboren am 13.10. 1940.Foto: dpa

Klaus Lemke 75? Bombe, würde er selber wohl sagen. Der Geburtstag des Altrockers unter Deutschlands Filmemachern birgt in der Tat Sprengstoff. Wer sonst haut seit Jahrzehnten unermüdlich deutsche Filme raus mit super Titeln wie „Unterwäschelügen“ (sein jüngster), „48 Stunden bis Acapulco“ (sein erster von 1967) oder „A Story from Hell“ (sein nächster), ohne Förderung und mit bloß kleiner TV-Beteiligung? Wer sonst bleibt auf der Langstrecke so kompromisslos, anarchisch und doch kreativ, sprich: voller Energie und auch noch bestens organisiert? Und drittens haut kein anderer ebenso unermüdlich und zuverlässig explosive Sprüche über die selbstgefällige Branche raus. „Würde man das Staatskino (= Filmförderung) aus Steuermitteln (= Euroschrott) über Nacht abschaffen: Wir wären in zwei Jahren das kreativste Filmland in Europa. Und eine Konkurrenz für Hollywood. So wie jetzt bleiben wir die Toplangweiler weltweit. Aber wenn er nicht gewollt hätte, dass sie geschoren werden, hätte der liebe Gott deutsche Filmregisseure nicht zu Schafen gemacht“, sagt er jetzt im Geburtstagsinterview mit dpa.

Ein Flüchtlingskind ist Klaus Lemke auch noch

Lemke ist Guerilla, Underground, Kult. Trash und Trillerpfeife, seit seinem St.Pauli-Motorradrocker-Melodram "Rocker", mit dem er 1970 Furore machte. Ein Schwabinger Kino-Cowboy, der Münchner Milieu-, Hamburger Kiez- und Berliner Szenefilme dreht, ohne großes Trara, mit Schmutz an den Sohlen und schnellem Sex, weil der dem deutschen Film sonst weitgehend fehlt, und mit Laiendarstellern, die er groß rausbringt wie einst Fassbinder seine Stars. Deutschlands Filmlandschaft wäre öder ohne Lemke.

Er ist übrigens ein Flüchtlingskind: Am 13. Oktober 1940 in Pommern geboren, in Saalfeld an der Warthe, kam er mit der Familie über Gera nach Herne. Eine der schönsten Zeiten seines Lebens, erinnert sich Lemke, "ich schwör's". Und dankt der Heilsarmee. Flüchtlinge bereichern die Gesellschaft? Aber Bombe!

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