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Koloniale Altlasten : Rassismus in Kinderbüchern: Wörter sind Waffen

18.01.2013 16:53 UhrVon Simone Dede Ayivi
Bei Pippi Langstrumpf war früher vom "Negerkönig" die Rede. Der Verlag änderte das nachträglich in "Südseekönig". Foto: contrasto/laifBild vergrößern
Bei Pippi Langstrumpf war früher vom "Negerkönig" die Rede. Der Verlag änderte das nachträglich in "Südseekönig". - Foto: contrasto/laif

Kinderbücher müssen von rassistischen Vokabeln befreit werden, findet unsere Autorin Simone Dede Ayivi und outet sich als persönlich gekränkt von deren Sprachwahl. Ihre Kinder sollen diese Erfahrung der Ausgrenzung nicht machen müssen.

Nicht alle Menschen, die in Deutschland leben, sind weiß. Nicht einmal alle Deutschen sind weiß. Das bedeutet: Nicht alle Leserinnen und Leser von deutschsprachiger Literatur sind weiß, nicht alle Theater- oder Fernsehzuschauer. Würden immer alle Beteiligten an Rassismusdebatten auf dieses Wissen zurückgreifen, es wäre allen geholfen. Doch ob in der Diskussion über Blackfacing an deutschen Bühnen oder bei der Debatte über das Vorhaben, rassistische Begriffe in deutschen Kinderbüchern durch neutralere auszutauschen: Schwarze Menschen werden nicht mitgedacht.

Es ist, als würden wir nicht existieren. Gedanken macht man sich lediglich um die Rechte des weißen Urhebers und das ungetrübte Vergnügen des weißen Rezipienten, der am liebsten alles so haben will, wie es schon immer war.

Umfrage

Sollten Kinderbücher von rassistischen Vokabeln befreit werden?

Die weißen Theatermacher, mit denen ich mich in der Rassismusdebatte am Theater konfrontiert sah, hatten immer gute Gründe, an der Nutzung rassistischen Vokabulars oder rassistischen Praktiken wie Blackfacing festzuhalten. Angeblich brauche man es, um Rassismus zu thematisieren. Da wurde mit dem Ausstellen von Rassismus argumentiert und damit, dass man der Gesellschaft den Spiegel vorhalten wolle. Mit Gesellschaft ist dabei die weiße Mehrheitsgesellschaft gemeint. Eine Gruppe von Leuten, die sich gegenseitig irgendwelche Spiegel vorhalten wollen. Das können sie gern tun, aber in der Konsequenz heißt das, dass Theater sich nur an ein weißes Publikum wendet. Diese Gruppe bleibt unter sich und definiert für sich allein, was rassistisch ist und was nicht. Vielleicht ist das die Gruppe, die mit „wir“ gemeint ist. Dem „Wir“ aus der wohl eher rhetorischen Frage auf dem aktuellen Titelblatt der „Zeit“: „Unsere liebsten Kinderbücher werden politisch korrekt umgeschrieben – ist das ein Fortschritt?“, heißt es da. Unbeeindruckt vom Kampfbegriff der politischen Korrektheit lautet meine Antwort darauf: ja.

Denn eigentlich bedeutet die Frage nur: Sollen unsere liebsten Kinderbücher auf rassistische Begriffe verzichten, damit sie auch schwarze Kinder und Eltern zu ihren Lieblingsbüchern erklären können? Ja; warum denn eigentlich nicht? Das wäre doch sehr schön! Es wären dann unser aller liebste Bücher. Mit der Aussage, dass Kinderbücher mit rassistischem Sprachgebrauch es niemals auf meine Favoritenliste schaffen, gebe ich zu, dass ich eine dieser schwarzen Frauen bin, die der Meinung sind, dass Wörter kränken und Schaden anrichten können. Und wie sollte ich anders darauf kommen als durch die eigene Erfahrung? Ich oute mich also selbst als gekränkt und beschädigt. Das ist kein guter Ausgangspunkt für eine Rassismusdebatte, in der denjenigen, die Rassismus thematisieren, immer wieder Empfindlichkeit vorgeworfen wird. Ich bekomme ständig erklärt, durch was ich mich berechtigterweise verletzt fühlen darf und was nur meiner Empfindsamkeit geschuldet ist. Ich solle am besten niemanden darauf aufmerksam machen, dass er gerade ein rassistisches Wort benutzt, sondern mein Empfinden zu diesem Wort ändern.

Nun lasse ich mir aber wie die meisten anderen Menschen auch ungern sagen, wie ich mich fühlen soll. Schon gar nicht von Leuten, die nicht die gleichen Diskriminierungserfahrungen gemacht haben wie ich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Streichung rassistischer Begriffe erst der Anfang sein kann

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