Kolumne Literaturbetrieb : Neue Verlagsleitung bei Hoffmann und Campe

Was bringt der Wechsel an der Spitze des Hamburger Verlags Hoffmann und Campe? Birgit Schmitz wird neue Verlagsleiterin, Daniel Kampa tritt zurück.

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Birgit Schmitz, designierte Leiterin des Verlags Hoffmann und Campe. Schmitz wird ab Mitte Juni den Verlag leiten.
Birgit Schmitz, designierte Leiterin des Verlags Hoffmann und Campe. Schmitz wird ab Mitte Juni den Verlag leiten.Foto: Pablo Castagnola/Hoffmann und Campe Verlag/dpa

Die Meldung kam doch plötzlich und überraschend, die der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe vergangene Woche verschickte. Der Verlag verkündete, dass Birgit Schmitz vom 1. Juli an die Verlagsleitung übernehmen werde und Daniel Kampa als Verleger zurücktrete, dem Verlag aber als „Publisher at Large“ erhalten bleibe, also als Berater und Ideengeber von außen. Der 1971 geborene Kampa war 2013 vom Zürcher Diogenes Verlag nach Hamburg gewechselt und hatte die Nachfolge des bei Hoffmann und Campe etwas glücklosen Günter Berg übernommen.

Vier Jahre sind nun keine übermäßig lange Zeit. Aber der Wechsel an der Hoffmann-und-Campe-Spitze soll wohl ein höchst friedvoller gewesen sein: Kampa erwarte familiären Zuwachs und wolle seine Familie in Zürich nicht länger allein lassen, heißt es. Verlagseigner Thomas Ganske, Kampa und Birgit Schmitz überbieten sich denn auch in der Meldung mit vielen Worten in gegenseitigen Gunstbeweisen: Kampa habe den Verlag „programmatisch und wirtschaftlich wesentlich nach vorne gebracht“, sagt Ganske. Er habe alle Freiheiten gehabt, bedankt sich Kampa. Und Birgit Schmitz freut sich „sehr auf die Arbeit in Hamburg – zusammen mit einem hochengagierten Team und mit Daniel Kampa ...“

Tatsächlich hat Kampa einiges auf den Weg gebracht bei Hoffmann und Campe. Er gründete mit dem Atlantik Verlag für „gut erzählte Romane, populäre Sachbücher, schöne Anthologien und Geschenkbücher“ und dem Tempo Verlag für „Bücher, die sich was trauen“ zwei neue Imprints, also eigene Unterverlage, dazu stattete er den Atlantik Verlag mit einer Taschenbuchreihe aus. (Wo jetzt beispielsweise gerade ganz aktuell einige Werke von Siegfried Lenz erscheinen). Doch dem Profil des Verlags hat er, trotz des Tempo Verlags, der in diesem Herbst sowieso erst sein zweites Programm veröffentlicht, nicht wirklich neue Schärfe verliehen – was aber nicht so einfach ist. Und vielleicht auch nicht unbedingt nötig. Hoffmann und Campe ist eine Mischung aus Publikums- und Literaturverlag. In ihm erscheinen gleichermaßen Bücher von Politikern und Prominenten wie von Autoren und Autorinnen aus deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, von Gerhard Schröder und Peer Steinbrück, von Bob Dylan oder Wolfgang Joop hier, von Wolf Haas, Gerhard Henschel oder Matthias Politycki dort. Nicht zu vergessen: Hoffmann und Campe ist der ewige Verlag von Siegfried Lenz, die Verbindung bestand von Lenz’ Debüt an.

Ob Schmitz mehr Kanten ins Programm bringt?

Beim Blättern durch das Herbstprogramm des Hauptverlages sucht man vergeblich nach einer unverwechselbaren Kampa-Handschrift: Romane von unbekannten Autoren und Autorinnen aus Österreich, Belgien, Italien oder Dänemark, wieder viel Lenz und Dylan, eine Didi-Hallervorden-Biografie, ein neues Ulrich-Wickert-Buch, aber eben auch eins von Can Dündar. Kurzum: ein typisches, ins Profil passende Hoffmann-und-Campe-Programm. Ob die ehrgeizige, Pop-Sprengseln nicht abgeneigte, einst kurz den Berlin Verlag leitende, dann beim Red-Bull-Verlag Benevento in Salzburg tätige Birgit Schmitz hier mehr Kanten hereinbringt? Ob sie es gerade im Ressort der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vermag, den Hansers, Suhrkamps, Rowohlts und S. Fischers entscheidend etwas entgegenzusetzen? Was ja nicht leicht ist. Glaubt man ihren Antrittsworten, ist sie fest davon überzeugt, dass es bei ihrem neuen Arbeitgeber und insbesondere bei Verlagseigner Thomas Ganske „ein großes Interesse an Literatur und eine unerschöpfliche Neugier auf neue Themen und Autoren“ gebe.

Die Regel ist natürlich, dass es für Profilschärfungen, für etwaige Kurswechsel mehr Zeit braucht als beispielsweise die vier Jahre, die Kampa in Hamburg war. Oder, im Fußballerdeutsch: Es geht hier nicht um meine Person, sondern nur um den Verein.

Daniel Kampa will übrigens auch in Zukunft mehr als nur Berater und Familienmensch sein. Er gründet wieder einen Verlag, den eigenen dann, den Kampa Verlag. Dieser soll von 2018 an von Zürich und Berlin aus an den Start gehen.

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