Kommune 1 : Mit Rainer Langhans in Indien

Noch eine Langhans-Doku: Den Film „Good Luck Finding Yourself“ Severin Winzenburg gedreht, der Sohn von Langhans' "Harems"-Frau Jutta Winkelmann.

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Seelentrip. Juttal Winkelmann und Rainer Langhans auf Indienreise.
Seelentrip. Juttal Winkelmann und Rainer Langhans auf Indienreise.Foto: Alpenrepublik

Dschungelcamper Rainer Langhans ist, wie man weiß, keine Entblößung zu peinlich. Doch auch die Frauen aus seinem sogenannten Harem sind es gewohnt, ihr Innerstes nach außen zu tragen – sei es im Selbsterfahrungszirkel oder als frohe Botschaft an die Welt: In Dokumentarfilmen („Schneeweißrosenrot“, 1991), Fernsehauftritten („Kommune“, 2013), einer Stange autobiografischer Bücher und, na klar, im Netz. Wenn sich nun mit Severin Winzenburg auch der Sohn von Haremsfrau Jutta Winkelmann, mit einem persönlichen Dokumentarfilm meldet, zeigt sich gewissermaßen Familientradition. Dass das Sujet von „Good Luck Finding Yourself“ Winkelmann selbst ist, kann da nicht überraschen. Nur: Soll es eine Hommage sein oder eine Abrechnung?

Good Luck Finding Yourself – Trailer 1
Good Luck Finding Yourself – Trailer 1

Die Umstände lassen Ersteres vermuten. Denn die todkranke Jutta Winkelmann geht mit Langhans und den Mitfrauen Christa und Brigitte auf eine vermutlich letzte spirituelle Reise nach Indien. Das soll zumindest seelische Heilung bringen und führt das Quartett von Aschram zu Aschram – und auf einer fast schon klassischen Grand-Tour von Delhi über die Ganges-Toten-Stadt Vanarasi per Eisenbahn, Flugzeug und Chauffeur in den Himalaya und nach Goa.

So recht will es mit der Spiritualität aber nicht klappen. Auch die Gemütslage in der Gruppe ist instabil – und ähnelt zudem zähen WG-Beziehungsgesprächen früherer Jahre. Für die postpubertäre Identitätsfindung waren die sicher bedeutsam, und es ist das gute Recht eines jeden, solche jugendliche Selbstbezogenheit bis ins Urgroßelternalter zu konservieren. Wenn aber mal wieder der Standardsatz „Na, wie habt ihr geschlafen?“ ertönt oder Langhans im Hotelzimmer nach dem Netz fahndet, erinnert das schmerzhaft an den ebenfalls sehr persönlichen, allerdings großen Film „De Grote Vakantie“, den Johan van der Keuken 2000 über seine Krebskrankheit gemacht hat – auch mit Indienreise.

Das Erschütterndste ist jedoch, wie sehr die Gruppe die indische Realität – nach dem Motto „arm, aber glücklich“ – nur als ProjektionsfIäche eigener Befindlichkeiten wahrnimmt. „Good Luck Finding Yourself“ zeigt vor allem eins: Wie unglücklich es macht, immer nur um sich selbst zu kreisen. 1968 hieß es, das Private sei politisch. Hier ist es zur Peinsamkeit verkommen.

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