Komödie "Dope" : Bloß raus hier

Klischees durchschleudern: Rick Famuyiwa hebt mit seiner großartigen Komödie „Dope“ den Highschool- und den Ghettofilm auf ein neues Niveau.

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Jib (Tony Revolory), Diggy (Kiersey Clemons) und Malcolm (Shameik Moore) in "Dope".
Jib (Tony Revolory), Diggy (Kiersey Clemons) und Malcolm (Shameik Moore) in "Dope".Foto: Sony

Er ist anders als die anderen Kids. Als Malcolm (Shameik Moore) für seine Collegebewerbung einen persönlichen Aufsatz schreiben soll, verfasst er eine „Recherche zu Ice Cubes ,Good Day‘ “. Dabei hätte der Direktor eher einen Text über die schwere Jugend des Sohns einer allein erziehenden Busfahrerin erwartet. „Das ist so ein Klischee!“, ruft Einserschüler Malcolm, der nach Harvard möchte und zusammen mit seinen Freunden Diggy (Kiersey Clemons) und Jib (Tony Revolory, bekannt aus "Grand Budapest Hotel") zu den Außenseitern an seiner Highschool gehört.

Sie stehen nämlich nicht nur auf Neunziger-Hip-Hop, sondern spielen auch in einer Rockband, lieben Mangas und Skateboards – Quatsch für Weiße, finden ihre Mitschüler.

Doch Malcolm will sich einfach nicht ins Klischee eines schwarzen Teenagers pressen lassen. Was in einer harten Gegend wie dem südlich von L. A. gelegenen Inglewood gar nicht so einfach ist. Regisseur Rick Famuyiwa stammt selbst von dort und lässt in seiner temporeichen, großartigen Komödie „Dope“ jede Menge Klischee-Typen wie den Dealer Dom (gespielt vom Rap-Star A$AP Rocky) herumlaufen.

Durch Dom gerät Malcolm unwillentlich in den Besitz einer großen Menge der titelgebenden Droge. Wie er und seine Freunde den Stoff unter Aufbietung ihrer gesamten Kreativität, der Hilfe eines kiffenden Hackers und viel Dreistigkeit wieder loszuwerden versuchen – das zu verfolgen macht großen Spaß.

Daran haben die vielen Popkultur-Referenzen und der Hip-Hop-Soundtrack großen Anteil. In einer besonders gelungenen Szene sitzt Malcolm niedergeschlagen im Bus, schläft ein und sieht im Traum alle Figuren, die ihm Ärger machen, während Gil Scott Herons „Home Is Where the Hatred Is“ zu hören ist. Erschienen Hass und Gewalt in Ghetto-Dramen wie „Boyz N the Hood“ (1991) noch übermächtig, siegen in „Dope“ Witz und Köpfchen. Da ist Rick Famuyiwa tatsächlich eine kleine Genrerevolution geglückt.

In sieben Berliner Kinos; OV: Cinestar SonyCenter

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