Konzertrandale in Köln : Ausgebuhter Musiker will Steve Reich zu Ende spielen

Der iranisch-britische Musiker Mahan Esfahani wurde in der Kölner Philharmonie von der Bühne gebuht, weil er die Geduld des Publikums überstrapazierte. Er will nicht von Rassismus sprechen - und kehrt zurück an den Tatort.

Christian Schröder
Mahan Esfahani
Mahan EsfahaniFoto: dpa

Trotz zeternder Zuhörer will der iranische Musiker Mahan Esfahani bald nach Köln zurückkommen. „Im April bin ich für Aufnahmen beim Deutschlandfunk in der Stadt“, sagte der in Großbritannien lebende Cembalist dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Im März 2017 möchte er in der Philharmonie jenes Stück noch einmal spielen, wegen dem er dort am Sonntag sein Konzert hatte abbrechen müssen. Esfahani hatte aufgehört, Steve Reichs Komposition „Piano Phase“ aus den sechziger Jahren zu spielen, nachdem viele der 1800 Zuhörer mittendrin geklatscht, gelacht und dazwischengerufen hatten.

Angst vor der Avantgarde

„Wovor haben Sie Angst?“, fragte er das Publikum auf Englisch. Darauf erntete er Zurufe wie: „Sprich Deutsch!“ Das Programm mischte klassische Werke von Johann Sebastian Bach mit zeitgenössischen Stücken von Henryk Mikolaj Górecki und Steve Reich. Esfahani hatte fassungslos gerufen: „In meiner Heimat verbieten die Machthaber solche Musik.“ In den sozialen Netzwerken wurde der Vorfall intensiv diskutiert. „Wutbürger im Konzert“, hieß es bei Facebook, „ekelhaft“.

Aussitzen statt Ausbuhen

Esfahani selbst brachte die aufgebrachten Reaktionen nicht mit Rassismus in Verbindung. Nachvollziehen kann er den Ärger allerdings nicht: Die Komposition von Reich sei nun wirklich keine Avantgarde, sagte er dem „Stadt-Anzeiger“. Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort, der selbst nicht anwesend war, erklärte, er habe „die Möglichkeit einer solchen Reaktion auf Steve Reich in Köln nicht für möglich gehalten“. Die Besucher hätten die Gebote der Höflichkeit eklatant verletzt. „Wenn’s einem nicht gefällt, sitzt man das Stück halt still aus – über 20 Minuten hinweg wird das ja wohl möglich sein.“ An der Zusammenstellung des Programms, glaubt der Intendant, könnten die Pöbeleien nicht gelegen haben: „Ich weiß es nicht, wir haben in diesen Konzerten immer mal wieder Modernes gebracht – Schnittke, Henze, Saariaho. Aber bis jetzt nie mit solchen Protesten“, sagte er dem Kölner "Express" (mit dpa).

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