Krimidebüt von Ruth Ware : Der dunkle Wald der Erinnerung

Die englische Autorin Ruth Ware erzählt in ihrem stimmungsvollen Krimidebüt "Im dunklen, dunklen Wald" von einem Junggesellinnenabschied, der blutig endet - und vom Kampf um Erinnerungen.

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Der Junggesellinnenabschied endet blutig. Um sich daran zu erinnern, was geschah, muss Roman-Protagonistin Nora zurück in das Haus im dunklen Wald, in dem alles begann.
Der Junggesellinnenabschied endet blutig. Um sich daran zu erinnern, was geschah, muss Roman-Protagonistin Nora zurück in das Haus...Foto: dpa

Ein einsames Haus mit riesigen Fenstern, hell erleuchtet im schwarzen Winterwald. Inszeniert wird ein Junggesellinnenabschied. Doch nicht nur Clares Freundinnen sind dabei. Irgendjemand schleicht nachts um das Gebäude. Die englische Autorin Ruth Ware aus Lewes in der Grafschaft East Sussex, die sich schon in einer Vielzahl von Berufen ausprobiert hat, verwendet in ihrem stimmungsvollen Krimidebüt „Im dunklen, dunklen Wald“ alle gängigen Grusel- und Horrorfilm-Motive: von unerklärlichen Spuren im Schnee bis zum Aufwachen der Ich-Erzählerin Nora im Krankenhaus – ohne Erinnerung an das, was passiert ist, schwerverletzt, unter Mordverdacht stehend, die Krankenzimmertür von Polizisten bewacht.

Wie es dazu kam, versucht Nora, eine junge, ziemlich einsam in London lebende Schriftstellerin, zu rekonstruieren, gegen alle Gedächtnislücken und trotz aller Schmerzen. Dabei erzählt sie von einem langen, nicht wirklich lustigen Wochenende mit Frauen, die früher mal gute oder sogar beste Freundinnen waren. Clare, im Zentrum des Fests wie der Beziehungen, soll noch einmal gefeiert werden, bevor sie den Mann heiratet, den auch andere gern gehabt hätten. Wie das so geht mit Freundschaften: Sie verändern sich mit den Jahren. Sie werden intensiver oder schwächer. Sie brechen – oder sie werden so manisch wie die Beziehung, die Flo mit Clare verbindet. Weshalb Flo auch wild entschlossen ist, die Party zu einem unvergesslichen Erlebnis für Clare zu machen.

Und das wird sie. Der Vorfall, der das Fest in eine Nacht des Schreckens abstürzen lässt, zwingt Nora zurück in das Haus im dunklen Wald. Nur dort, ahnt sie, wird sie sich präzise erinnern können. Und tatsächlich findet Nora inmitten der schwarzen Bäume, unter denen der Boden noch immer mit Blut bedeckt ist, ihre Erinnerung wieder – und noch einmal beinahe den Tod.

Ruth Ware: Im dunklen, dunklen Wald. Roman. Aus dem Englischen von Stefanie Ochel. dtv, München 2016. 378 Seiten, 15,90 €.

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