KUNST Stücke : Augenrauschen

In der Berliner Galerie Sexauer treibt die Künstlerin Caroline Kryzecki ein optisches Verwirrspiel - und das mit minimalsten Mitteln

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"KSZ100/70-31" (2014), Kugelschreiber auf Papier,100 x 70 cm
"KSZ100/70-31" (2014), Kugelschreiber auf Papier,100 x 70 cmFoto: Galerie Sexauer

Es muss sich um eine Bildstörung handeln.Um Linien, die ihren geraden Weg verlassen haben und nun sichtbare Wellen schlagen. Direkt in das Auge des Betrachters,
der sich in der Sexauer Galerie (Streustraße 90, bis 28. Februar) erst einmal orientieren muss.Was mutet ihm Caroline Kryzecki mit ihren überformatigen Zeichnungen, den farbstarken Moirés darauf und ihrer obsessiven Wiederholung zu? Besser noch: Was mutet sich die 1979 geborene Absolventin der Berliner Kunstakademie und ehemalige Meisterschülerin von Robert Lucander und Daniel Richter eigentlich selbst zu?

Caroline Kryzecki nutzt ausschließlich Kugelschreiber

Jedes Raster ihrer 30 Blätter ist von Hand gezogen. Zusammen konjugieren sie die Möglichkeiten, mit den vier herkömmlichen Kugelschreiberfarben - Schwarz, Blau, Rot und Grün - unterschiedliche Farbkombinationen zu erzielen. Und was für welche! Die feinen, geraden Linien legen sich übereinander und bilden Netze purer Sinnestäuschung. Abstrakte Räume, akustische Felder, Interferenzen: Alles scheint möglich. Dabei hängt bloß eine Auswahl an den Wänden der großen, schönen Galerie in Weißensee. Doch schon die zwanzig kleinen (je 1800 Euro) und vier größeren Blätter im Format von etwa 200 mal 152 Zentimetern (je 4200 Euro) genügen, um ein Rauschen im Kopf zu erzeugen..Caroline Kryzecki geht es allerdings gar nicht um Sinnestäuschung. Sondern um „die geometrische Konstruktion und die Schaffung eines seriellen Systems, dessen Werke als einzelne Ausprägungen zu verstehen sind“. Ein Konzept also, das die Künstlerin so systematisch verfolgt, wie sie sich bei seiner Umsetzung verausgabt. Ihr Interesse an Ornamenten und Strukturen offenbart sich bereits in früheren Arbeiten.

Der fotografischen Dokumentation folgte bislang stets die distanzierte Behandlung des Themas, das Resultat waren abstrahierte Ansichten der Wirklichkeit. Hier nun, in der Ausstellung
„Superposition“, verlässt die Künstlerin den Boden der Wirklichkeit. Vor allem aber gibt sie die Kontrolle ab: Caroline Kryzecki zieht ihre Linien. Die Effekte überlässt sie dem Medium. Obwohl nicht einmal sicher ist, ob tatsächlich jeder den gleichen Eindruck gewinnt.

Sexauer Gallery, Streustr. 90, Berlin-Weißensee; bis 28.2., Di-Sa 13-18 Uhr, www.sexauer.eu

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