Kunst-Stücke : Von Menschen und Schafen

Die erste Ausstellung des finnischen Künstlers Jari Kylli in der Galerie Gerrit Friese.

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Jari Kylli: "Ohne Titel" (2016)
Jari Kylli: "Ohne Titel" (2016)Foto: Galerie Gerrit Friese

Jari Kylli ist kein Mann für die Bühne. Zur Eröffnung seiner Ausstellung in der Galerie Gerrit Friese (Meierottostraße 1, bis 11. März) – der ersten außerhalb seines Landes überhaupt – wussten die wenigsten, wie der gebürtige Finne eigentlich aussieht. Dabei hatten sie ihn die ganze Zeit vor Augen, denn Kylli porträtiert, neben Schafen und brennenden Hütten, eigentlich nur sich selbst.

Unheimliche Porträts von Tieren und Menschen

Seine Blätter (Preise: 1000–3200 Euro) sind kleinformatig, das einzige Malmittel ist schwarze Tusche. Beides genügt jedoch für ein Werk, dessen Qualität in der obsessiven Wiederholung liegt. Das betrifft ausschließlich die Sujets. Im Einzelfall nimmt der Künstler das eigene Gesicht genau wie die Köpfe der Tiere aus immer anderer Perspektive in den Blick. Das Ergebnis sind unwiederholbare Momente im Halbschatten, die Kyllis Selbstporträts verzerren. Mal scheint er Halbmasken zu tragen, mal formt die Nase eine Knolle und dann wieder einen Haken. Kylli, Jahrgang 1961, hat keine Scheu, sich optisch zu verunstalten, und vielleicht ist dies ein Grund, weshalb Philipp Demandt bei der Vorstellung des nuancenreichen Werks von „Schlächtern“ sprach. Demandt, lange Leiter der Alten Nationalgalerie und seit Oktober Direktor der Schirn und des Städel Museums in Frankfurt, hat Kylli in Finnland noch vor dem Galeristen entdeckt. Das Unheimliche scheint beide gleichermaßen zu faszinieren: wie der Künstler sich aus dem Dunkel schält, während die Tiere fragend aus den Bildern schauen. Passiv und duldsam, als wären sie das Leiden am Menschen schon seit unendlichen Zeiten gewohnt.

Brennende Hütten und Skulpturen in Knochenform

Es ist ein leises, intensives Werk, das unter die Haut geht. Aber es wäre zu wenig, wenn Kylli, der ab 1983 vier Jahre lang an der Akademie der Künste in Helsinki studierte und 1992 mit dem Finish Art Society Ducat Preis ausgezeichnet wurde, sich in seinen Bildern bloß fatalistisch geben würde. Aus ihnen spricht eine vitale Aggression. Die Lust an einer Zerstörung, die immer Neues generiert. Auf seltsame Art sind all die Motive miteinander verbunden. Was auf dem einen Blatt verbrennt wie die hölzernen Balken der Hütten, verwandelt sich in Staub und Ruß, um im nächsten Moment zu Kyllis abstrakten Skulpturen in Knochenform (je 1000 Euro) zu werden. Selbst die Porträts mit ihren Grau- und Schwarzwerten scheinen aus demselben Material gemacht. Kylli, die düstere Figur, ist zugleich ein Schöpfer mit feinen Antennen für die Schönheit der Kreatur.

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