Kunstmesse Berliner Liste : Buntes Meer

Unter 123 Aussteller aus 23 Ländern gibt es leider nur wenige Lichtblicke: Berlins Satelliten-Messe Liste enttäuscht erneut.

Jens Müller
Lebensecht: Die Schwimmerin von Carole Feuermann auf der Berliner Liste.
Lebensecht: Die Schwimmerin von Carole Feuermann auf der Berliner Liste.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Vielleicht waren die Partypläne, die Tim Renner am Tag zuvor im „Abendschau“-Interview stolz verkündete, doch ein bisschen viel. Am Mittwochnachmittag ließ sich der Kulturstaatssekretär dann beim Presserundgang der Berliner Liste entschuldigen. Er sei „wohl erkrankt", hieß es. Messedirektor Jörgen Golz ficht das nicht an, er verkündete, etwas zu lapidar eigentlich, um es nicht auch ironisch zu meinen: „Herzlich willkommen zur größten und ältesten Kunstmesse Berlins!“

Jedes Einkaufserlebnis wird heute „kuratiert“, die Messe hat ganz selbstverständlich einen Kurator. Und Peter Funken redet nicht lange drum herum: „Ich würde mir wünschen, man würde viel mehr bleiben lassen.“ Vielleicht ist Kurator da doch nicht der richtige Begriff. PR-Menschen sprechen jedenfalls anders als Peter Funken – sie protzen mit 123 Ausstellern aus 23 Ländern.

Das Niveau ist dann tatsächlich (bei Preisen bis 10 000 Euro) eher bestürzend. Immerhin, so strahlen die wenigen Lichtblicke um so heller. Was Funken als rückwärtsgewandte Fixierung auf die Pop Art beklagt, erweist sich als buntes Meer dekorativ gemeinter Flachware (bei einem Aussteller von Hologrammen sogar dreidimensional), den Meister Warhol mehr als nur einmal unverhohlen zitierend. „Déjà-vu“ muss das ausgegebene Motto dieser Liste sein: Eine 2010 in Backnang gegründete Galerie nennt sich Contemporary Fine Arts!

Die Lichtblicke sind dekorativ bunt

Gleich zwei Künstler zeigen auf Leinwandgröße aufgeblasene Buchrücken. Der eine hat seine „Lesensgeschichte“ vom Literaturkritiker Richard Kämmerlings kuratieren lassen, der andere den Titel „Beyond Andy Warhol“ in der Bibliothek. Ein Künstler offeriert grellbunt verfremdete Gesichter von Obama, Merkel, Hitler. Ein paar Meter weiter gibt es Porträts von Merkel, Schröder und – Warhol.

Die Lichtblicke: dekorativ bunte Malerei, aber mit Könnerschaft. Galería Cuadrada aus Bogotá zeigt den Brasilianer Renato Costa, der antike Büsten in Öl übersetzt – um dann mit kräftigen Farben zu intervenieren. Artfein hat die erschwingliche Edition „Qualle 2“ (je 480 €) von Friederike Jokisch mitgebracht, an deren Technik man die Neo-Rauch-Meisterschülerschaft erkennen zu können meint. An der Grenze von Gallery und Photography Section liegen sich die Kojen von Wolfram Völcker Fine Art und Katerina Belkina gegenüber. Bei Völcker sind in fotorealistischer Manier gemalte, tiefenscharfe, recht düstere Landschaftsbilder von Eugen Kunkel zu sehen. Die Russin
Belkina hat ihre weichgezeichneten Fotos ätherisch leuchtender junger Frauen so lange nachbearbeitet, dass sie wie gemalt aussehen. Je ein Aussteller kommt aus China, Indien, Japan und Korea. Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung eines Asien-Schwerpunktes der nächsten Berliner Liste – interessant.

Berliner Liste. Kraftwerk, Köpenicker Str. 70, bis 20.9., Sa 13-21 Uhr, So 11-19 Uhr.

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