Ein Fest für Sammler

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Kunstsammler und Kunstmessen : Alle meine Schätze

Die Kunst möge unabhängig sein, die Freiheit des Geistes befördern, gern den Kapitalismus kritisieren und die Augen öffnen für soziale Konflikte. Aber sobald die nächste Messe ins Haus steht, wird sie zur Ware und soll sich verkaufen lassen wie geschnitten Brot. Dieser Widerspruch beschäftigt auch die Art Berlin Contemporary, die das Wort Messe so krampfhaft meidet. „Berlin ist als Kunstmarkt schwierig", sagt Maike Cruse, die Direktorin der ABC, „aber die Künstlerhauptstadt und einer der wichtigsten Galerienstandorte.“ Um internationale Sammler, Kuratoren und Museumsdirektoren in die Stadt zu locken, hat die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft in diesem Jahr 100 000 Euro für das Vip-Programm draufgelegt. Geplant sind Studiotouren zu dreißig Ateliers. Rund tausend Einladungen sind verschickt, ein Abendessen sorgt für gesellschaftlichen Glanz.

Berlin hofft, dass sich die Ausgaben über Hotelbuchungen und Shoppingtouren amortisieren. Im Vergleich zum weltumspannenden Netz der Art Basel wirft die ABC nur kleine Köder aus. Die Schweizer stellen guten Kunden rund um das Jahr etwa 25 Verbindungsleute in Asien, Europa, Nord- und Südamerika zur Seite. Die Schwerpunkte des Vip-Programms richten sich nach den örtlichen Gegebenheiten der Basel-Messen. Museumsbesuche in Basel, Besichtigungen privater Sammlungen in Miami und Studiotouren in Hongkong.

Vielfalt durch gnadenlose Selbstausbeutung

Jetzt soll auch die ABC ein Fest für Sammler werden. Ein Drittel der Ausstellungsfläche ist Werken Berliner Privatkollektionen vorbehalten, hier können junge Sammler lernen. Aber warum die Kunstkäufer zum Jagen tragen? In schicken Shuttle-Limousinen, wenn für Flüchtlinge BVG-Tickets fehlen? Sammler haben Geld, aber keine Zeit, lautet die Begründung. Da sollten die Argumente der Initiative Zeitstipendien auf offene Ohren stoßen. Die Künstlergruppe um Ulf Aminde und Sabine Reinfeld weist auf eine andere Diskrepanz im Berliner Kulturbetrieb. Seine Vielfalt entspringt oft gnadenloser Selbstausbeutung. Das gilt auch für die Projekträume, die in diesem Jahr als nichtkommerzieller Teil der Art Week präsentiert werden. 37,5-Stunden-Woche? Gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro? Da können Künstler, freie Kuratoren und viele Praktikanten oftmals nur übermüdet lächeln.

Die steigenden Lebenshaltungskosten drängen die Künstler in Brotjobs, ihnen fehlt Zeit für Kreativität. „Wir können es uns leider nicht mehr leisten, Institutionen, Kunstmarkt und Tourismus zu subventionieren", bedauerte die Kunstfigur Avatara Plenara Zeitstipendia mit bleichem Gesicht und grauem Overall vor der Presse. Ihr Vorschlag: 350 Künstler erhalten je 7000 Euro, um ein Werk zu beginnen oder fertigzustellen. Haushälter provoziert die Forderung, Zeit zum Nachdenken zu finanzieren, ohne eine verbuchbare Gegenleistung zu erhalten. Simone Reber

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