Kurt Langbeins Doku "Landraub" : Die Geschäftsfelder der Welt

Szenen eines stillen Skandals: Der Dokumentarfilm "Landraub" erzählt, wie das Kapital Ackerflächen von Kambodscha bis Rumänien als Investment nutzt.

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Handarbeit. Äthiopische Kleinbauern bei der Ernte.
Handarbeit. Äthiopische Kleinbauern bei der Ernte.Foto: Movienet

Aktivisten gegen „Landgrabbing“, wie die großflächige Aneignung von Ackerland durch Investoren international genannt wird, haben einen neuen Lehrfilm: die Dokumentation „Landraub“ des österreichischen Filmemachers Kurt Langbein. Der von Rumänien bis Äthiopien, Sierra Leone und Kambodscha aufwendig recherchierte und bebilderte Film erzählt alarmierend und alarmistisch von einem stillen Skandal, der in Deutschland genauso wie weltweit abläuft: die durch die Finanzkrise 2008 ausgelöste Entdeckung landwirtschaftlicher Flächen als Geschäftsfeld. Europa verfüge über 170 Millionen Hektar Ackerfläche, rechnet der ohne Kommentar auskommende Film in Zwischentiteln vor. Und seit dem Jahr 2000 wurden weltweit 200 Millionen Hektar von Agarinvestoren aufgekauft. Die nutzen die dort angebauten riesigen Monokulturen für die Palmöl- und Ethanol-, also Biosprit-Industrie, und erzielen stolze Renditen.

Erschreckender als die schieren, für die Zukunft der Welternährung nicht optimistisch stimmenden Fakten, sind jedoch die Geschichten der Menschen. Kambodschanische Kleinbauern, die zugunsten einer Plantage gewaltsam von ihren Äckern vertrieben werden und Zuflucht in einem buddhistischen Kloster finden, das ihren Protest tatkräftig unterstützt. Die Dorfbewohner von Mabansa in Sierra Leone, die von Wasserknappheit und Chemikalienverseuchung erzählen, die der Zuckerrohranbau des Schweizer Unternehmens Addax Bioenergy verursacht.

Einer der heimlichen Filmhelden, der deutsche Biobauer Felix von Löwenstein, sagt, was „Landgrabbing“ ist – eine neue Welle des Kolonialismus. Die wird nicht nur von der europäischen Politik, teils auch durch gut gemeinte Förderprogramme betrieben, wie der Film differenziert darlegt, sondern auch von den Regierungen der jeweiligen Länder akzeptiert und mitbetrieben.

Am Land wollen alle verdienen. Und so sind die Passagen am stärksten, in denen die sachlich ihre Profitinteressen erläuternden Agrarmanager mit den Aussagen von traditionellen Bauern kontrastiert werden. Wie von selbst wird so nicht nur die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Reich und Arm deutlich, sondern auch der himmelweite Unterschied zwischen kleinbäuerlicher und industrieller Landwirtschaft. Erstere produziert siebzig Prozent aller Nahrungsmittel auf der Welt. Allein die Zahl macht den filmischen Lobbyismus von „Landraub“ wichtig.

In den Kinos Cinemaxx Potsdamer Platz, Filmtheater am Friedrichshain, Kant-Kino, Moviemento, Passage.

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