Kultur : Labyrinthisch

Im Kino: „Die Liebenden“ von Christophe Honoré.

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Mutter und Tochter. Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni. Foto: Senator
Mutter und Tochter. Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni. Foto: SenatorFoto: dpa

Es könnte so einfach sein mit der Liebe. Zwei Menschen finden sich, sind einander treu und leben ihr Glück. Doch Lieben ist ein Verwirrspiel, oft ausweglos. Auf derlei Irrungen und Wirrungen der Liebe hat sich der 42-jährige französische Regisseur Christophe Honoré bis in die Titel hinein spezialisiert. Nach „Chanson der Liebe“ (2007) erzählt er in „Die Liebenden“ erneut von der Liebe – und das über einen Zeitraum von 45 Jahren.

Im Paris der sechziger Jahre lernt die junge Gelegenheitsprostituierte Madeleine, grandios gespielt von Ludivine Sagnier, den tschechischen Arzt Jaromil (Radivoje Bukvic) kennen und lieben. Das Paar heiratet, sie folgt ihm nach Prag. Doch schon bald verlässt Madeleine den untreuen Ehemann und kehrt mit der gemeinsamen Tochter zurück nach Paris. Was sie, dort erneut verheiratet, nicht daran hindert, sich nunmehr auf eine ewige Affäre mit Jaromil einzulassen.

Ganz anders beider Tochter Véra (Chiara Mastroianni): In einem Club im London der neunziger Jahre verliebt sie sich in einen HIV-positiven homosexuellen Musiker (Paul Schneider). Seine Zuneigung hält sie entschieden für mehr als das, und ebenso leidenschaftlich klammert sie sich an ihrer eigenen, aussichtslosen Liebe fest.

Was so komödiantisch beschwingt in Paris anhebt, verdüstert sich zusehends – und der Film beobachtet über nahezu 140 Minuten, wie Madeleine (in der älteren Rolle: Catherine Deneuve) und Véra durchs Liebes-Labyrinth taumeln. Und gelegentlich gipfelt der Gefühlsreigen, wie schon in „Chanson der Liebe“, in poetisch-melancholischen Liedern, die die filmische Handlung subtil ergänzen und kommentieren.

Christophe Honorés Moral: „Ohne einander zu leben, ist möglich, nicht aber zu leben, ohne einander zu lieben.“ Wer das zu schwülstig findet, hält sich am besten an die famosen Schauspieler. An Milos Forman etwa, der den älteren Jaromil spielt. Vor allem aber an Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni: Erstmals agieren sie gemeinsam vor der Kamera als Mutter und Tochter, die sie auch im wirklichen Leben sind. Sina Schroeder

Blauer Stern Pankow, Filmkunst 66,

FT Friedrichshain, Passage

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