Kultur : Leise & böse

„Mein“ – Detlef Bothes Sommernachtsalbtraum

Die beiden, sie Anfang zwanzig, er mehr als doppelt so alt, sind in einem riesigen Wohnmobil unterwegs – aber erinnert das, was man mitbekommt von dem seltsamen Paar auf Autobahnraststätten und Campingplätzen, nicht eher an einen Gefangenentransport? Und die malerischen Sonnenuntergänge an den Seen, an deren Ufer die zwei sich so halbverstummt wie ganzverbunden zurückziehen – sind sie nicht eher blutrot als romantisch?

In seinen beeindruckenden Anfängen ist „Mein“, der neue Film des Schauspielers und gelegentlichen No-Budget-Drehbuchautors und -Regisseurs Detlef Bothe so roh und radikal wie sein Titel – ein Possessivpronomen, das schnell auch mal zum Obsessivpronomen werden kann. Die Geschichte von Klaus (zurückhaltend zerquält gespielt von Bothe selbst) und Maggie (ein zartes Debüt: Leni Wesselman) ist deshalb zunächst von so irritierender Faszination, weil sie sich jeder Einordnung entzieht. Da leben zwei irgendwie neben der Welt, und zwar gründlich – nur warum?

Bald wendet sich das, was als durchaus spannungsreiches und schneidend präzises Kammerspiel unter freiem Himmel anhebt, zum Thriller mit den üblichen Zutaten und Zuspitzungen – Assoziationen zur schrillbunten Welt der vermischten Nachrichten nicht ausgeschlossen. Das gibt dem Film jene Oberflächenplausibilität, die mancher sehnlich erwarten mag, nimmt ihm aber seinen bösen Zauber. Trotzdem: Die Besichtigung dieses leisen, gewissermaßen im Selbstverlag verfertigten Albtraums lohnt. jal

Nur heute, 21. 15 Uhr, im Babylon Mitte

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