Kultur : Liebes Leben

Im Kino: Lone Scherfigs „Zwei an einem Tag“

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Foto: Tobis-FilmFoto: dapd

Eine Freundschaft, aus der die große Liebe wird: Lone Scherfigs neuer Film „Zwei an einem Tag“ variiert das „Harry und Sally“-Thema. Von ihrer ersten Begegnung an, bei der Emma (Anne Hathaway) und Dexter (Jim Sturgess) nach einer feucht-fröhlichen Party zum College-Abschluss im Bett landen und eben keinen Sex miteinander haben, steht fest, dass die beiden trotz aller Widrigkeiten am Ende zusammenkommen werden. Bis dahin verfolgt man beider Lebenswege, parallel montiert, über 15 Jahre: Dexter ist draufgängerisch, hübsch, bald erfolgreich als Fernsehmoderator, Anne wird mit Brille und hochgezogenen Schultern – gibt es immer noch nichts anderes, um Introvertiertheit und Intelligenz anzudeuten? – als Versagerin gekennzeichnet.

Klar, dass die Verhältnisse sich umkehren und die Geschichte anders verläuft als erwartet, klar auch, dass Dexter und Anne, wenn sie sich einmal im Jahr treffen, mal fremd und dann wieder ganz nah sind. Aber das wissen die Millionen Leserinnen der als Zeitgeist-Roman gepriesenen Vorlage von David Nicholls schon vorher. Der Autor zeichnet selbst fürs Drehbuch verantwortlich, dafür musste er seinen mit Namen von Modelabels, -drogen und -designern durchsetzten Roman zwar erheblich straffen, aber immer noch dominiert Langatmigkeit. Um den Film amüsant oder spannend zu machen, hätte Lone Scherfig vermutlich gegen das Drehbuch arbeiten müssen.

Routiniert spult die Dramaturgie die einzelnen Stationen der Komödie ab. Dabei hinterlässt der schnelle Auf- und langsame Abstieg Dexters auf der glatten, hübschen Erscheinung des eher bemüht wirkenden Schauspielers Jim Sturgess keinerlei Spuren. Und die Schönheit der auf sperrig und unbeholfen getrimmten Anne Hathaway blitzt überall durch, es gelingt ihr einfach nicht, diese Emma wirklich zu verkörpern. Keine Dynamik, keine Leidenschaft, nichts Authentisches, die Emotionen bleiben behauptet, kokett.

Lone Scherfig ist mit „Italienisch für Anfänger“ (2000) international bekannt geworden, einer witzigen, beiläufigen Komödie über Liebesfreud und -leid bei Durchschnittsmenschen in einer dänischen Kleinstadt. Der Film wurde unter Dogma-Bedingungen gedreht, an realen Schauplätzen, ohne künstliches Licht, ohne Masken- oder Kostümaufwand, teils mit Laiendarstellern. Scherfig nutzte diese Parameter zur Visualisierung von Seelenzuständen, sie holte das Beste aus ihren Schauspielern heraus und verlieh ihrem Sujet genau jenen Hauch von Würde, der Publikum und Kritik gleichermaßen begeisterte. Bei „Zwei an einem Tag“ verhält es sich umgekehrt: Je größer der Aufwand, der um sie betrieben wird, desto erbarmungswürdiger die Figuren und ihre Darsteller. Daniela Sannwald

In 16 Berliner Kinos, OV: Kino in der Kulturbrauerei, OmU: Cinestar Sonycenter

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