Literaturnobelpreis : Wer wird es diesmal?

Ngugi Wa Thiong' o? Haruki Murakami? Adonis? Heute wird der Literaturnobelpreis vergeben. Ganz neu im Top-5-Ranking des Wettanbieters Ladbrokes: Der Amerikaner Don DeLillo.

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Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami, Favorit für den Literaturnobelpreis, hier vor ein paar Tagen in Barcelona.
Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami, Favorit für den Literaturnobelpreis, hier vor ein paar Tagen in Barcelona.Foto: dpa

Ach, was wird es an diesem Donnerstag mittags um 13 Uhr wieder Aaaahs und Oooohs geben, Beifall und Kritik, aufrichtige Begeisterung und vielleicht nicht ganz so aufrichtige Empörung! Es ist die Zeit der Nobelpreise, und die Verkündigung des Gewinners im Fachbereich Literatur wurde vor 10 Tagen noch einmal um eine Woche verschoben. Die 18-köpfige Literatur-Jury der Schwedischen Akademie scheint sich ganz gut gestritten zu haben. Sie ist uneins gewesen darüber, wen sie auszeichnen soll. Ja, wen eigentlich? Den oder die? Einen Afrikaner oder eine Amerikanerin? Lyriker oder Dramatiker?

Wie jedes Jahr wird munter spekuliert, auch darüber, ob es wieder eine politische Wahl geben wird, so wie vergangenes Jahr, da die Weißrussin Svetlana Alexijewitsch mit ihren mehr aus dem Dokumentarischen kommenden Büchern ausgezeichnet wurde. Oder eine ausschließlich literarische, so es denn so eine Ausschließlichkeit überhaupt gibt, wie 2014, als zur Überraschung vieler der französische Schriftsteller Patrick Modiano für sein der Kunst der Erinnerung verpflichtetes Werk den Literaturnobelpreis bekommen hat.

Also über wen oder was hat sich die Akademie so heftig gestritten? Ob sie Ngugi Wa Thiong’o nun endlich den Preis verleihen soll? Der Kenianer wird seit einiger Zeit stets als heißester Anwärter genannt. Oder doch dem weitaus populäreren, vielleicht zu populären japanischen Schriftsteller Haruki Murakami, der wie Ngugi Wa Thiong’o seit einer halben Ewigkeit im Literaturnobelpreisgespräch ist?

Ladbrokes hatte in den letzten 10 Jahren viermal den Gewinner ganz vorn stehen

Beide stehen bei Ladbrokes, dem englischen Wettanbieter und verlässlichsten Literaturnobelpreisspekulanten, auf den Plätzen eins und zwei, mit den Quoten 4/1 und 5/1, gefolgt von dem syrischen Dichter Adonis, vom ewigen Philip Roth und von dem norwegischen Dramatiker Jon Fosse. Überhaupt, genau: Wäre nicht mal wieder ein Dramatiker dran? Seit Mittwochnachmittag gibt es einen neuen Top-5-Favoriten, der Fosse auf Platz 6 verdrängt hat: den Amerikaner Don DeLillo, der mit "Null K" gerade auch einen neuen Roman geschrieben hat.

Vergangenes Jahr hatte Ladbrokes mit Svetlana Alexijewitsch tatsächlich die Preisträgerin ganz vorn und mit der geringsten Gewinnspanne gelistet. Schaut man sich die Gewinner der letzten zehn Jahre an, lag das Wettbüro mit seinen Quoten viermal richtig. Neben Alexijewitsch 2011 bei Tomas Tranströmer, 2009 bei Herta Müller und das Jahr zuvor bei dem Franzosen J.M.G. Le Clézio. Und sieben Mal in der vergangenen Dekade standen die Literaturnobelpreisträger in den Top 3 von Ladbrokes. Aber Ngugi Wa Thiong’ o, Haruki Murakami, Adonis? Wirklich?

Gerade an Adonis war wegen seiner uneindeutigen Haltung zu Syriens Machthaber Assad 2015 im Rahmen der Verleihung des Osnabrücker Remarque-Friedenspreises viel Kritik geübt worden, unter anderem von seinem irakischen Kollegen Najem Wali. Und der als Laudator vorgesehene Navid Kermani hatte die Laudatio abgesagt. Kermani steht übrigens auch auf der Ladbrokes-Liste, ganz hinten, mit einer Quote von 100/1. Es könnte sein, na klar, es könnte immer sein!, dass es 2016 wieder einen Preisträger geben wird, dessen Name vorher gar nicht genannt wurde.

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