Kultur : Lohn der Angst

Schwedischer Thriller mit Moral: „Easy Money“

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Auf der Flucht. Matias Padin Varela als Drogendealer. Foto: Senator
Auf der Flucht. Matias Padin Varela als Drogendealer. Foto: Senator

Schwedische Krimis sind wahrscheinlich deshalb weltweit so erfolgreich, weil sie größtmögliche Gewalt mit maximalem Moralismus verbinden. Das war schon bei den Polizeiromanen rund um Kommissar Beck von Maj Sjöwall und Per Wahlöö so, die von den Schattenseiten des Wohlfahrtsstaates erzählten. In Stieg Larssons „Millennium-Trilogie“, in dem die sexistischen Machenschaften eines Wirtschaftsmagnaten aufgedeckt werden, triumphierte dann endgültig das literarische Gutmenschentum. Eine schwedische Verfilmung fand so viele Zuschauer, dass bald ein Hollywood-Remake von David Fincher mit Hauptdarsteller Daniel Craig in die Kinos kommen soll.

„Easy Money – Spür die Angst“, die Adaption des ersten Teils einer Krimi-Trilogie des Stockholmer Autors Jens Lapidus, bewegt sich erkennbar in Larssons Fahrwasser. Auch hier sind die Reichen keinen Deut besser als die Verbrecher, im Gegenteil: Die Bösen haben immerhin noch ihren Verhaltenskodex, die Ganovenehre. „Es geht nur um die Kohle, in diesem Job bescheißt jeder jeden“, warnt ein Dealer einen Freund, der neu in der Branche ist. Und der finanziell angeschlagene Bankier verspricht einem Gesandten der Unterwelt: „Ich kann euer Geld schneeweiß waschen.“ Die Gier treibt beide an, Kapitalisten und Kriminelle.

Als Vermittler zwischen beiden Welten fungiert der Wirtschaftstudent JW (Joel Kinnaman), ein Aufsteiger, der das Geld für die Kokspartys seiner reichen Kommilitonen mit Taxifahrten für einen arabischen Mafioso verdient. Um nicht aufzufallen, näht er teure Knöpfe an seine billigen Hemden, und die Freundin belügt er, sein Vater sei nicht Vorarbeiter, sondern Diplomat. Regisseur Daniél Espinosa bemüht sich bei seiner Schilderung der Milieus der Schickeria und der Schläger um Realismus. Oft ist die Handkamera den Figuren mit verwackelten Bildern ganz nah auf den Fersen: dem Gefängnisausbrecher Jorge (Matias Padin Varela) bei der Flucht durch die Wälder, dem Killer Mrado (Dragomir Mrsic), der diesen Jorgo aus dem Weg räumen soll, sich aber plötzlich um seine fünfjährige Tochter kümmern muss, und JW, der bei seinen Touren für den Gangsterchef immer mehr selbst zum Gangster wird.

Auch in „Easy Money“ träumen die Verbrecher den Traum aller Verbrecher: ein allerletztes Ding zu drehen und dann auszusteigen.Es geht um 40 Kilo Kokain, die mit einer Schiffsladung von Kohlköpfen aus Hamburg geliefert werden sollen. Der Film braucht lange, um sein kompliziert verflochtenes Personal aus arabischer, serbischer und albanischer Mafia aufzufächern und in Fahrt zu kommen. Aber der Showdown ist furios. Am Ende sitzt JW, der Yuppie-Student, kahlgeschoren im Knast. Dort wird er kaum bleiben, denn „Easy Money“ ist, wie gesagt, bloß der Beginn einer Trilogie. Christian Schröder

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Hellersdorf, UCI Friedrichshain; OmU im Babylon Kreuzberg

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