Madonna in Berlin : Kiss Kiss, Bang Bang

Gangster, Funkemariechen, Butch und Yoga-Königin: Madonna entfesselt beim Konzert in der ausverkauften Berliner O2 World ein bombastisches, buntes Hochleistungsspektakel.

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Da geht's lang: Bei ihrem Auftritt in der O2-World lässt die erfolgreichste Pop-Sängerin der Welt die Puppen tanzen.Weitere Bilder anzeigen
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29.06.2012 00:40Da geht's lang: Bei ihrem Auftritt in der O2-World lässt die erfolgreichste Pop-Sängerin der Welt die Puppen tanzen.

Die hat Nerven! Die hat Nerven! Besser gesagt, die hat Sehnen, die hat Muskeln, schließlich ist es Madonna, die einen da am Donnerstag in der ausverkauften O2 World brutzeln lässt. Wahrscheinlich muss sie erst noch sichergehen, dass Italien – Home of Papa – fußballtechnisch aus dem Schneider ist, bevor sie endlich auf die Bühne kommt. Dann aber auch gleich mit allem, was ihr heilig ist: Buddhistische Showmönche chanten, ein Riesenweihrauchkrug pendelt über die Bühne, und ein Zombie hängt am Glockenseil. Madonna schießt mit einem schnittigen Maschinengewehr (keiner Uzi, das wäre ihr viel zu niedlich) erst die Deko und dann sämtliche muskulösen Tänzer kaputt, die sich ihr in den Weg stellen. Das erste Drittel der „MDNA“-Show wirkt wie ein Tarantino-Film, kostümiert von Modesty Blaise, garniert mit einer Horde Fembots aus „Austin Powers“ und gespickt mit Utensilien einer Dritter-Weltkrieg-Fetischclique.

Video zur großen Madonna-Show in Berlin

Puh, was ein blutiges Spektakel! Immer wieder „Die, bitch!“, kiss kiss bang bang, beziehungsweise click click flash flash. Ob sie vorhat, das martialische Gangstatum inklusive „Ich hab die größere Knarre zwischen den Beinen“-Vergleich so zu vereinnahmen, dass die anderen Gangsta-Rapper es gar nicht mehr wagen, anzutreten? Das würde man ihr jedenfalls zutrauen. Frau Ciccone hat schon ganz andere Dinge vereinnahmt, und damit, man muss es ihr unabhängig von Geschmacksfragen zugestehen, auf ihre eigenwillige Art feminisiert: Egal, wie läppisch Musik oder Texte sind, und wie redundant die „Get on the dancefloor“-Beschwörungen – Madonna kennt sich mit den Insignien des selbstbewussten Genderbenderns aus. Und beweist das beim Berlin-Konzert professionell. Langsam rockt die Show sich an dem, was der Jugendschutz „gewaltverherrlichend“ nennt vorbei zum Fantasybereich, und zu „Papa Don’t Preach“. Ein paar vermummte Ägypt-Indianer kidnappen die Sängerin und verschleppen sie hinter die Bühne. Kostümwechsel. Die Tänzer dürfen derweil ein bisschen seiltanzen, sie dann zurückholen, ihr die Stiefel ausziehen und sie ebenfalls aufs Seil werfen.

Später steht die 53-Jährige – wieder in Highheels – mit Gitarre auf einem Podest, singt „I Don’t Give A *“ und es klingt sogar besser als auf dem lahmen neuen Album, einfach, weil man hier mehr zu gucken hat und die Banalität ihrer Musik durch kolossalen Bombast wie in einer glitzernden Hängematte aufgefangen wird. Für „Express Yourself“ kommt sie endlich in diesem reizenden Funkenmariechen-Kostüm mit den knielangen weißen Stulpen anmarschiert. Und man muss auch mal den Hut vor ihrer Band lüpfen: Sämtliche Musiker und Sänger ziehen sich in einem fort um, wahrscheinlich ist Madonna zu Hause genau so, und wenn man bei einer von ihr veranstalteten Mottoparty nicht entsprechend verkleidet erscheint, dann hängt sie einen im SM-Studio auf und peitscht einem die Gliedmaßen blutig.

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