• „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“: Frauenpower auf dem Gipfel des Weltkinos

„Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ : Frauenpower auf dem Gipfel des Weltkinos

An ihrer Stelle schickte Regisseurin Isabell Šuba ein Double nach Cannes - und filmte das Ganze. Heraus kam die feministische Satire „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ über den Festivalzirkus an der Croisette.

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Szene aus "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste".
Szene aus "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste".Foto: Screenshot

Gerade erst haben James Toback und Alec Baldwin in ihrer Doku „Verführt und verlassen“ hinter die Kulissen des Festivalmarktirrsinns von Cannes geführt, wo sie Geld für ein beklopptes Filmprojekt aufzutreiben versuchen. Nun kommt ein Nachschlag in fast gleicher Sache, nicht von zwei Hollywood-Oldboys, sondern von einer Fast-Regiedebütantin aus Deutschland. Und ihr Film ist auch nur teilweise ein Dokument.

Vor zwei Jahren wurde die Studentin Isabell Šuba mit ihrem Kurzfilm „Chica XX Mujer“ in das Nachwuchsprogramm des Festivals aufgenommen. Die Einladung an die Croisette nahm sie gerne an. Schließlich ist ein Cannes-Auftritt der bestmögliche Start ins Filmemacherleben – sofern man sich gut selbst vermarkten kann. Šuba war klug und kritisch genug, um neben der Neugier auch Misstrauen gegenüber dem südfranzösischen Jahrmarkt der Eitelkeiten mitzubringen. Und so fasste sie einen für eine Dokumentarfilmerin naheliegenden Plan. Neben dem Auftritt als gefeierte Nachwuchshoffnung wollte sie ihr Handwerk selber an Ort und Stelle ausüben.

Weil zwei so unterschiedliche Rollen sich schlecht in einer Person vereinbaren lassen, beschaffte sie sich ein Double. So fuhr die Schauspielerin Anne Haug als Isabell Šuba an die Croisette. Isabell selbst hatte sich unter einem Pseudonym als Filmstudentin akkreditiert. Mit dabei auch noch eine kleine Crew um Kameramann Johannes Louis. In der zweiten Hauptrolle trat Šubas eigener Koproduzent Matthias Weidenhöfer in Aktion, als selbstverliebt verpeilter Produzent der Film-Isabell, der – vom überbuchten Hotelzimmer bis zum vermasselten Interviewtermin – das nächste Filmprojekt allerdings bestmöglich sabotiert. Dabei tritt man sich cannesüblich im zu sechst geteilten Hotelzimmerchen auf die Füße. Glamour sieht anders aus.

Protest gegen die Männerdominanz in Cannes

2012 war auch das Jahr, in dem besonders französische Regisseurinnen gegen die Männerdominanz in Cannes protestierten. Ihnen stieß heftig auf, dass unter den 22 Wettbewerbsfilmen kein einziger von einer Regisseurin realisiert worden war. „Frauen zeigen in Cannes ihr Gesicht, Männer ihre Filme“ war damals ein Aufruf in „Le Monde“ überschrieben, den unter anderem die Regisseurinnen Virginie Despentes und Coline Serreau initiiert hatten. Unmissverständlich wurde hier beklagt, „dass Männer bei Frauen Tiefe zu schätzen wissen – allerdings nur beim Dekolleté“.

Der Gedanke hat nun wohl auch Isabell Šuba zu ihrem Filmtitel inspiriert – und auch ihre (übrigens lesbische) Heldin artikuliert im Endlos-Clinch mit dem machistischen Produzenten auch ein paar frauenkämpferische Sätze. Ansonsten werden die im Titel suggerierten film- oder genderpolitischen Fragen allenfalls nur indirekt angesprochen – in den dokumentarisch mitgenommenen Bildern von aufgemotzten Star-Karossen und hochgestylten Möchtegern-Starlets an der Croisette. Immerhin schließt Šuba damit thematisch an ihren Kurzfilm über das Schönheitswahngeschäft in Venezuela an, führt das aber nicht weiter aus.

Mehr Pamphlet als Satire

So ist „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“ weniger feministisches Pamphlet als Satire auf das Filmgeschäft insgesamt, die aufstrebende Jungfilmerin inklusive. Ganz selbstkritisch passend hat das von der Film-Isabell und ihrem Produzenten bei einem arte-Empfang auf dem arte-Schiff einer echten arte-Redakteurin gepitchte Projekt für eine „Buddy-Westernkomödie“ um zwei ungleiche Schwestern auf dem Lande rasantes Langeweilerpotenzial. Šubas halb dokumentarisches Guerilla-Stückchen aus Cannes dagegen unterhält durchaus, auch wenn die vielen Anspielungen (das fängt beim Nachnamen des Produzenten David Wendtlandt an) eher bei Insidern als beim Normalo-Publikum zünden dürften. Fünf Tage wurde fast ohne Budget gedreht, die Grenze zwischen gescripteten Szenen, Improvisation und wirklichem Geschehen bleibt oft herrlich verschwommen. Komisch nur, dass vor Šuba niemand die Chuzpe zu einem solchen Selbstbespiegelungsprojekt hatte. Ein bisschen mehr Frauenpower aber auf den Gipfeln des Weltkinos darf es in Zukunft durchaus sein.

Cinemaxx, Eiszeit, Hackesche Höfe, Kulturbrauerei, Sputnik am Südstern

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