Malerei von Wolfgang Neumann : Komm’ mit mir in die Fabelwelt

Sie sind bunt, grotesk, vielgestaltig, widersprüchlich und rätselhaft: Die fabelhaften Bildwelten von Wolfgang Neumann, derzeit zu sehen bei Egbert Baqué.

Michael Nungesser
Magisch. Auch im „Tafelbild“ von 2013 geht es nicht mit rechten Dingen zu.
Magisch. Auch im „Tafelbild“ von 2013 geht es nicht mit rechten Dingen zu.Foto: Baqué

In Wolfgang Neumanns Gemälden geht es hoch her. Hochkunst trifft auf Tiefkunst, ikonografische Traditionen der Kunstgeschichte kreuzen die Bildschirmwelten der Massenmedien. Aus der kruden Vermählung von (Neo-)Expressionismus und (Neo-)Surrealismus im Geist von Comic und Satire entsteht die „fabelhafte Bilderwelt des Wolfgang Neumann“, wie es ironisch in einem frühen Katalog heißt. Sie ist bunt, grotesk, vielgestaltig, widersprüchlich und rätselhaft. In der aktuellen Schau bei Egbert Baqué Contemporary Art steht sie unter dem Titel „Flashlight & Blackout“ – eine Anspielung auf den Boxkampf und auf die mediale Zurichtung der Welt im Zeitalter der Elektronik.

Im ersten Raum widmet der 1977 in Filderstadt geborene, in Stuttgart ausgebildete und in Waiblingen lebende Künstler eine ganze Wand dem populären Kraftsport. In einer Installation kombiniert er Boxbilder auf Leinwand oder Karton mit farbigen Zeichnungen. Die eigens für die Ausstellung ausgeführten Darstellungen von Schläge austeilenden oder heftig getroffenen Boxern rahmen das zentrale Gemälde in Acryl und Lack, „Mediat d’Or“ (2400 Euro), das Acrylbild „Malebox“ (1000 Euro) sowie zwei farbige Tuschezeichnungen. Die Titel verdeutlichen, dass der Künstler sein bildnerisches Collage- und Verfremdungsverfahren auch textlich fortführt und so den Betrachter auf vielen Ebenen ins Schleudern bringt.

Vorlagen und Anregungen für seine irritierenden, spaßigen, abschreckenden und zugleich anziehenden Bildkompositionen findet Neumann in der medialen Bilderflut. Die Zerreißprobe zwischen Informationsübermittlung und Unterhaltung, Realität und Virtualität, Aufklärung und Verdummung klingt in vielen Bildern an. In Medien und Werbung bilden Sensation und Kitsch ebenso sozialen Klebstoff wie mobile Ersatzbefriedigungen, die Neumann aufs Korn nimmt.

Die Palette seiner „Vrohbilder“ (450 Euro) reicht von der smarten Managerfrau bis zum gestrengen Kleriker – und macht natürlich keineswegs froh. In Zauberei und spiritistischer Sitzung findet Neumann Metaphern für unsere haltlose Zeit. Davon zeugen auch „Im Dienste von Sachen“ (4300 Euro) als buntes Leinwandbild in Acryl und Öl und „Séance“ (2900 Euro), eine monochrome Radierung auf PVC-Plane, die dem alten Medium durch digitale Bearbeitung und Vergrößerung neue Qualitäten verleiht.

Egbert Baqué Contemporary Art, Fasanenstr. 37; bis 4. Mai, Di –Fr 14–19 Uhr, Sa 11–18 Uhr, So 10–17 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar