Kultur : Mario und die Deutschen

Foto: AFP

Dem Suhrkamp Verlag war der Weggang seines jahrzehntelangen Autors eine Pressemitteilung wert: „Zu unserem Bedauern wird der neue Roman von Mario Vargas Llosa ,El sueno del celta’ nicht im Suhrkamp Verlag erscheinen. (...) Nur zu gern hätten wir die Publikation der Werke bei uns (...) auch nach dem Nobelpreis fortgesetzt.“

Bei der Frankfurter Buchmesse hatte es Gerüchte gegeben, Suhrkamp hätte Mario Vargas Llosas neuen Roman nicht mehr haben wollen – schon lange vor der Vergabe des Literaturnobelpreises. Insofern gab es am Rande der Buchvorstellung am Mittwoch in Madrid in Sachen deutsche Verlagsrechte die Vollzugsmeldung. Der Roman erscheint nun in Deutschland beim Rowohlt Verlag, im September 2011, was auch nicht ganz überraschend kommt: Vargas Llosas erste Bücher „Die Stadt und die Hunde“, „Das grüne Haus“ und sein Flaubert-Essay „Die ewige Orgie“ erschienen in den Sechzigern bei Rowohlt, bevor Suhrkamp 1976 begann, Vargas Losa in Deutschland zu veröffentlichen. Eine gewisse Pikanterie liegt trotzdem in diesem Verlagswechsel: Auch Martin Walser und Daniel Kehlmann gingen von Suhrkamp zu Rowohlt, umgekehrt verließ Uwe Tellkamp Rowohlt in Richtung Suhrkamp.

Der 74-jährige peruanische Schriftsteller hätte einfach wieder zu Rowohlt gewollt, heißt es jetzt beim Rowohlt Verlag in Reinbek, ohne dass man dort näher auf die genaueren Umstände des Wechsels und das vermeintliche Desinteresse von Suhrkamp eingehen will. Suhrkamp spricht dagegen von einem „harten Bieterwettbewerb“. Anderen Quellen zufolge hat es jedoch gar keinen Konkurrenzkampf um die Buchrechte gegeben.

Dass der Roman über das Leben des 1864 geborenen und 1916 in London hingerichteten irischen Nationalisten und Kolonialkritikers Roger Casement ein Bestseller wird, dürfte außer Frage stehen – vor allem in den spanischsprechenden USA, Lateinamerika und Spanien. Wie groß das Interesse hierzulande ist, wird man sehen, wenn „Der Traum der Kelten“ (so der deutsche Arbeitstitel) erscheint. Ein Literaturnobelpreisklebchen auf dem Cover macht sich immer gut, doch waren Vargas Llosas letzte Romane keine Verkaufsrenner. Zudem erfährt bei Literaturnobelpreisträgern vor allem das Gesamtwerk einen mal mehr (Herta Müller, Orhan Pamuk), mal weniger großen (Le Clezio, Doris Lessing) Verkaufsschub; insofern dürfte Suhrkamp den Verlust verschmerzen und mit seinen vielen anderen Vargas-Llosa Titeln noch Geld verdienen können.

Ein großes Fragezeichen bleibt trotzdem. Zumal ja gerade auch unter Ulla Unseld-Berkéwicz das alte Unseld-Suhrkamp-Credo gilt, Werke zu veröffentlichen, nicht nur einzelne Bücher.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben