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Martin Roth verlässt das V&A-Museum : Aufhören, wenn es am schönsten ist

Gerade wurde das Victoria & Albert Museum in London zum britischen "Museum des Jahres" gewählt. Trotzdem gibt der deutsche Direktor Martin Roth jetzt sein Amt auf. Warum bloß?

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Martin Roth
Martin RothFoto: dpa

Der Direktor des Victoria and Albert Museums (V&A) in London, Martin Roth, gibt sein Amt auf, wie die „Sunday Times“ am Sonntag berichtete. Der gebürtige Stuttgarter, der zuvor als Generaldirektor die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden leitete, wechselte vor fünf Jahren nach England. Mit Ausstellungen über David Bowie, „radikale Mode“ oder das „Design des Ungehorsams“ sorgte er für für Besucherrekorde. Das V&A war im Juli zum britischen „Museum des Jahres“ gewählt worden, in der Begründung hieß es, aus einem der beliebtesten Museen des Landes sei „eines der besten der Welt“ geworden. In der kommenden Woche wird eine Ausstellung über die Pop-Revolution von 1966 bis 1970 eröffnet.

Anfangs war es alptraumartig schwer

Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte Martin Roth, er höre in London auf, "weil es so gut läuft und ich nicht glaube, dass ich es noch besser hinbekomme". Von Anfang an habe er nur fünf Jahre bleiben wollen. Die ersten zwei Jahre als V&A-Chef seien aber "alptraumartig schwer" gewesen, er habe "gelitten wie ein Hund". Doch er habe ein sehr gutes Team gefunden und "viel Unterstützung aus der Bevölkerung, von unseren Trustees" bekommen. Er gab sich ratlos: "Ich weiß nicht, was ich noch besser hätte machen können". Roth freut sich darauf, dass er künftig nicht mehr "von Sitzungen aufgefressen" wird, er will sich "wieder stärker politisch engagieren".

Martin Roth, 61, soll noch keinen neuen Job in Aussicht haben. Vom Ausgang des Brexit-Referendums war der Kulturwissenschaftler entsetzt: „Weshalb schlägt man kaputt, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde?“ Er klingt resigniert, wenn er feststellt: "Möglicherweise ist das Europa, an das ich immer noch glaube, schon gar nicht mehr existent." Ab Mitte 2017 wird Roth als Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) fungieren. Das Institut setzt ich weltweit für Kunstaustausch und den Dialog der Zivilgesellschaften ein. Es handelt sich um ein Ehrenamt.

Nicht noch einmal Berlin

Roth hat immer wieder auch die deutsche Kulturpolitik kritisiert, wo Museen „immer noch zu staatsnah“ seien. Gemeint war damit das „megalomane“ Humboldt-Forum. Der "Zeit" sagte er über die Gründungsintendanz des Hauses, das im das wiederrichteten Berliner Stadtschloss unterkommen wird: "Diese Intendanz besteht wirklich aus brillanten Denkern und jahrzehntelang erfahrenen Praktikern, aber es sind drei reife Herren, die zusammen das Gewicht von gut 180 Jahren auf die Waage bringen." Die Intendanten sind Neil MacGregor, Horst Bredekamp und Hermann Parzinger. "Man hätte ja auch sechs Leute berufen können, die erst 30 sind - darunter mehrere Frauen." Nach britischem Vorbild hatte sich Roth um freien Eintritt in den deutschen Museen bemüht - vergeblich. Nach Berlin, wo er einst im Deutschen Historischen Museum gearbeitet hat - so sagte er vor einem Jahr - will er nicht zurückkehren.

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