Kultur : „Mehr Farbe!“

Die Hamburger Kunsthalle ehrt Alfred Lichtwark, den Wegbereiter des modernen Museums

Burcu Dogramaci

Er leitete vor dem Ersten Weltkrieg einen Paradigmenwechsel ein, der die Museumslandschaft revolutionierte: Der Kunsthistoriker Alfred Lichtwark hinterfragte als Direktor der Hamburger Kunsthalle die Funktion der Institution, die bis zu dieser Zeit ein elitäres Dasein gefristet hatte. Aus dem Kunsttempel formte er eine Bildungsstätte. Der Arbeit mit Erwachsenen und Kindern widmete er mehr Aufmerksamkeit, ließ Vorlesungen vor Bildern abhalten: ein Vordenker der Kunsterziehungsbewegung. Im Jahr 1886 war Lichtwark vom Berliner Kunstgewerbemuseum nach Hamburg berufen worden. In seiner Antrittsrede formulierte er: „Wir wollen nicht ein Museum, das dasteht und wartet, sondern ein Institut, das tätig in die künstlerische Erziehung unserer Bevölkerung eingreift.“ Ein Gedanke, der auch bei der Konzeption des Erweiterungsbaus der Kunsthalle eine Rolle spielte. Im Zentrum seiner Planung situierte Lichtwark das Kupferstichkabinett, das er für Besucher öffnete, einen Lesesaal und ein Auditorium.

Zum 150. Geburtstag ehrt die Hamburger Kunsthalle ihren ehemaligen Leiter nun mit einer Rekonstruktion der Sammlung, die jener mit Hilfe von Spendern aufgebaut hatte. Die Ausstellung zeigt, dass er das Museum in seinem lokalen Kontext verankerte. Er beauftragte zeitgenössische Maler wie Ernst Eitner, Max Liebermann oder Lovis Corinth, deren Werke das Leben und die Landschaft Hamburgs widerspiegeln sollten. Dabei schrieb er Technik, Motiv und Format vor! Mit dem Maler Thomas Herbst überwarf er sich, Ferdinand Hodler lehnte eine Bestellung von Hamburger Motiven ab. Dennoch führte Lichtwarks Engagement zur Begründung einer Künstlergruppe. Angeregt durch seine Forderungen „Mehr Farbigkeit“ und „Malen Sie Hamburgische Landschaft!" entstand 1897 der „Hamburgische Künstlerclub", der sich an den französischen Impressionisten orientierte – eine Kunstrichtung, die Lichtwark leidenschaftlich förderte. Später stieß der Progressive an Grenzen seines Kunsturteils: Die Expressionisten vermochte er in ihrer Bedeutung nicht zu erkennen. Heute gilt er als Wegbereiter des modernen Museums.

Alfred Lichtwark zum 150.: Hamburger Kunsthalle, bis 16. März, Katalog 20 Euro.

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