Kultur : Mein Auto, meine Kanzlei

Vertrackt, unterhaltsam – und ein bisschen konventionell: Brad Furmans Justizthriller „Der Mandant“

Julian Hanich
Foto: Universum
Foto: Universum

Der Typ ist immer auf Achse. Mick Haller (Matthew McConaughey) lässt sich auf dem Rücksitz seines Lincoln Continental quer durch Los Angeles chauffieren: von einem Gericht zum nächsten. Welcher smarte Anwalt braucht schon ein Büro, wenn man eine automobile Kanzlei haben kann? In einer Stadt, in der man einen wesentlichen Teil seines Tages auf dem Freeway verbringt, ist das keine schlechte Idee – zumal seine Klienten meist sowieso harte Jungs von der Straße sind. Dazu gehören etwa die grimmigen Männer von den „Hell’s Angels“, mit denen der abgefahrene Auto-Advokat seine Deals gerne am Straßenrand klarmacht. Verträge gibt es keine, bezahlt wird bar – durch die heruntergelassene Fensterscheibe. Haller arbeitet mit einer Coolness, die an Zynismus grenzt: Er kennt die Kniffe, die Regelbrüche, die Lücken im System. Und auf dem Lincoln-Kennzeichen steht „NTGUILTY“. Unschuldig? Der Mann hat Humor. Und sogar mit seiner geschiedenen Frau Maggie (Marisa Tomei), einer ehrgeizigen Staatsanwältin, läuft’s in letzter Zeit wieder besser – und überhaupt alles recht glatt im Leben des Mick Haller.

Bis ihn eines Tages der Sprössling eines superreichen Beverly-Hills-Clans wegen einer angeblichen Vergewaltigung engagiert. Der Mandant trägt den schillernden Namen Louis Roulet (Ryan Philippe), was nach Glücksspiel klingt, aber auch an das französische Wort für „linken“ erinnert. Von nun an, so viel darf verraten werden, gibt Haller nicht mehr die Richtung vor, sondern wird zum Getriebenen und Verfolgten. Damit verlässt Brad Furmans „Mandant“ (nach dem gleichnamigen Roman von Michael Connelly) zwar die hübsche Milieustudie mit ihrem Ausgangspunkt um alternative urbane Arbeitsexistenzen, wird aber zu einem vertrackten und unterhaltsamen Gerichtskrimi mit Noir-Anklängen – zwischen „Die Jury“, „Das Urteil“ und „Angel Heart“.

Der Gegner, mit dem Haller es zu tun bekommt, stürzt ihn in tiefe Gewissenskonflikte. Vorher hat er souverän mit dem Recht gespielt, nun spielt sein Kontrahent das Justizsystem gegen ihn aus. Damit wird der Film hochmoralisch – und konventionell. Denn der selbstsicher-zynische Held muss durchs Tal der Tränen, bis er wieder Licht sehen darf. Dabei werden auch seine Mitstreiter in Mitleidenschaft gezogen: ein zwielichtiger Kautionsvermittler (John Leguizamo) und ein runtergerockter Privatermittler, den William H. Macy mit sichtbarer Freude an der Maskerade verkörpert. Am Ende lautet die Frage nicht mehr „schuldig oder nicht schuldig?“. Der Kontrahent des Advocatus Diaboli scheint die pure Verkörperung des Bösen.

In zwölf Berliner Kinos

0 Kommentare

Neuester Kommentar