Kultur : Mein Vater, das große Kind

„Einer wie Bruno“ mit Christian Ulmen.

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Foto: movienetFoto: dapd

Ein Vater, der wie das Kind seiner Tochter ist: Bruno (Christian Ulmen) ist geistig behindert, auf dem Stand eines Zehnjährigen. Seine Tochter Radost (Lola Dockhorn) dagegen kämpft mit den ersten Wirren der Pubertät – erst recht, als Benny (Lucas Reiber) neu in die Klasse der 13-Jährigen kommt. Radost gibt dem jungen Hipster Nachhilfe in Mathe und taucht in jene Phase ein, in der Eltern für Jugendliche nur noch „Spackos“ sind – und zwar alle. Kein Wunder, dass auch die verspielte Beziehung zwischen Vater und Tochter leidet: Radost fühlt sich vom Vater vollkommen unverstanden, und auch Bruno versteht sie immer weniger.

Der normale Entfremdungsprozess ist in „Einer wie Bruno“ doppelt bewegend. Die Regisseurin Anja Jacobs („Zores“) hat für ihre liebevolle Sozialstudie viel über das Zusammenleben von geistig behinderten Eltern und ihren gesunden Kindern geforscht. Mit Marc O. Sengs Drehbuch konnte sie ihren Traum eines Films verwirklichen, in dem Kinder die eigentlichen Erwachsenen sind. Bruno, unglaublich liebenswürdig, überrascht seine Tochter mit selbst gebastelten Girlanden zum Schulzeugnis. Radost, unglaublich erwachsen, macht ihrem Vater ein Leben in einem geregelten Zuhause überhaupt erst möglich.

Unglaublich nervig allerdings können die beiden Figuren auch sein. Lola Dockhorn pubertiert sich wunderbar anstrengend die Seele aus dem Leib, und Bruno bleibt in seiner Rolle als alleinerziehender Vater mit angeborener Intelligenzschwäche sowieso doppelt hilflos. Christian Ulmen spielt den Bruno glänzend – auch wenn Ulmen, man denke nur an „Mein bester Freund“ und „Uwe Wöllner“ schon arg oft mit verdrehten Augen, debilem Lächeln und leichtem Überbiss den Doofen gegeben hat.

Nur: Ist dieser Bruno eigentlich doof? Dieser so kindlich anmutende Vater ist, wie sich erweist, zumindest nicht doofer als andere Väter. Ja, vielleicht sogar ein kluger Mann. Katrin Gottschalk

Cinemaxx, Spreehöfe, Colosseum

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