Meinungsfreiheit in der Türkei : Türkei stoppt Auftritte von Popstar Sila

In der Türkei ist Sila ein Popstar, sie stand mehrmals an der Spitze der Charts. Die Großkundgebung nach dem Putsch nannte sie eine Show. Jetzt wurden ihre Konzerte abgesagt.

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Popsängerin Sila sagt in der Türkei ihre Meinung und wird dafür drangsaliert.
Popsängerin Sila sagt in der Türkei ihre Meinung und wird dafür drangsaliert.Foto:Wikipedia

In der Türkei ist Sila Gençoglu ein Popstar, als politische oder gar regierungskritische Sängerin gilt sie eigentlich nicht. Trotzdem haben die türkischen Behörden mehrere für August und September geplante Sila-Konzerte unter anderem in Ankara und Istanbul abgesagt. Offenbar im Zuge der Lage der Türkei nach dem Putsch und im Rahmen des rigiden Vorgehens von Erdogan gegen seine Kritiker: Sila fiel wegen ihrer Bemerkung in Ungnade, sie trete bei der AKP-Großkundgebung am 7. August nicht auf, weil sie nicht Teil einer solchen Show sein wolle. „Es gibt Künstler, die den Kampf unseres Volkes um ihr Land als Show bezeichnen und sich über solch eine ehrbare Haltung lustig machen“, lautete etwa die offizielle Begründung der Istanbuler Stadtverwaltung.
Die aus der Westtürkei stammende Sila studierte Jazzgesang, ihre Karriere startete sie als Backgroundsängerin des Schlagerstars Kenan Dogulu, bevor sie 2007 ihr erstes Soloalbum veröffentlichte. Ihre Hits – „Dan Sonra“ (Danach), „Yabanci“ (Fremd) oder „Hediye“ (Geschenk) – verbinden häufig typisch türkischen Pop mit Elektrobeats oder Elementen der türkischen Volksmusik. Mit dem Rezept hat die 37-Jährige seit Jahren großen Erfolg, mehrmals stand sie an der Spitze der türkischen Charts. Videoclips ihrer Lieder wurden bei Youtube millionenfach geklickt; beim Streamingdienst Spotify hat sie mehr als 200.000 Hörer pro Monat. Nur wenige Tage vor der Absage ihrer Konzerte war sie vor 5000 Zuschauern in der Freiluftarena in Cesme an der Ägäisküste aufgetreten.

Sila bei einem Konzert in Istanbul 2011.
Sila bei einem Konzert in Istanbul 2011.Foto: Maurice 07/Wikipedial

Wörtlich hatte Sila zur Kundgebung nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli gesagt: „Ich bin absolut gegen den Putsch, aber ich ziehe es vor, nicht Teil einer solchen Show zu sein“. Medienberichten zufolge betonte die Künstlerin, die selbst textet und auch für andere Sänger schreibt und komponiert, sie wolle das Thema auch nach den Absagen nicht weiter kommentieren. Diejenigen, die sie falsch verstehen wollten, hätten dies getan, aber sie stehe zu ihren Worten. Sie habe ihre Meinung geäußert: Ob es nicht das sei, was eine Demokratie ausmache.


Auf Twitter bekunden ihre Fans Solidarität mit Sila

Sila wird es beruflich nun voraussichtlich schwerer haben. Regierungstreue türkische Medien kritisierten vor einigen Tagen erneut ihre „Dreistigkeit und Unverfrorenheit“. Aber trotz des politischen Drucks stehen etliche Fans zu ihrem Idol. So gibt es zum Beispiel auf Twitter viel Unterstützung für Sila: Unter dem Hashtag #SilaYalnizDegildir („Sila ist nicht allein“) solidarisierten sich zahlreiche Türkinnen und Türken mit der Künstlerin, darunter auch namhafte Intellektuelle wie der gerade ins Exil gegangene Journalist Can Dündar und der Autor Hayko Bagdat. Und die nordwesttürkische Stadt Kirklareli, eine Hochburg der säkularen Opposition, lud Sila ein, dort künftig aufzutreten.

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