Kultur : Miklos Mészöly ist tot: Die Vaterfigur: zum Tod des ungarischen Schriftstellers

Der einflussreiche ungarische Schriftsteller Miklos Mészöly ist, wie jetzt bekannt wurde, im Alter von 80 Jahren gestorben. Die bekannten zeitgenössischen ungarischen Autoren beziehen sich allesamt auf ihn: Peter Nádas etwa betont immer wieder, dass Mészöly sein Lehrer war, für Laszlo Krasznahorkai war er das zweifellos ebenfalls.

Mészöly wurde am 19.1. 1921 in Szekszárd geboren - eine Stadt an der Donau, in Südungarn. Landschaften, die an diese Gegend erinnern, geistern immer wieder durch seine Erzählungen und Romane.

Er studierte vor dem Krieg Jura, promovierte, war dann im kommunistischen Nachkriegsungarn eine Weile Sportlehrer und schrieb einige Romane ("Der Tod des Athleten" "Saulus"), alle auf deutsch bei Hanser erschienen - allerdings zu früh, er wurde damals nicht sonderlich beachtet. Dabei war schon bekannt, dass Mészöly als der Vater der ungarischen Gegenwartsliteratur gelten konnte.

Neben den Romanen schrieb er Märchen, nach Motiven, die er im Lande sammelte und nach solchen, die er erfand. "Das verzauberte Feuerwehrorchester" ist eine Sammlung dieser Stücke, erschienen bei Sanssouci, einem Hanser-Imprint. Sein Hauptwerk ist der Roman "Rückblenden" (deutsch von Hildegard Grosche), von Suhrkamp anlässlich der Frankfurter Buchmesse mit dem Schwerpunkt Ungarn im Jahr 1999 neu aufgelegt. In diesem Buch folgt ein Kamerateam einem alten Ehepaar. Das Team schaut und filmt so genau, dass es die Geschichte des Paares und der Gegend in allen Facetten erzählen kann: beschrieben wird nur das, was sichtbar ist; alles psychologische Erzählen wird unterlaufen. Zuletzt sind in der Münchener Literaturzeitschrift "Akzente" essayistische Fragmente von ihm erschienen, von Zsuzsanna Gahse übersetzt, die sich ebenfalls zu seinem Einfluss bekennt. Gestorben ist Mészöly am letzten Sonntag in seinem Sommersitz nördlich von Budapest, wo er bevorzugt arbeitete. Er lebte seit einigen Jahren zurückgezogen und war krank.

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