Musical "Titel der Show" : Vom Nobody zum Broadway-Star

Ein selbstironisches Musical über das Schreiben eines Musicals: „Titel der Show“ in deutscher Erstaufführung im Admiralspalast.

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Bewerbung schreiben. Heidi, Jeff, Hunter und Susan wollen mit ihrem Stück zum New York Theatre Festival.
Bewerbung schreiben. Heidi, Jeff, Hunter und Susan wollen mit ihrem Stück zum New York Theatre Festival.Foto: Sven Serkis / [titel der show]

Ein Musical schreiben? Super. In drei Wochen? Oh, das wird knapp. Und wovon zur Hölle soll es erzählen? Hey, warum nicht einfach von zwei Typen, die in drei Wochen ein Musical schreiben! Vom Ringen mit der prekären Künstlerexistenz, den Schreibblockaden, den Proben mit den Sängerinnen und dem Pianisten, die sich auf das Experiment einlassen wollen. Das ist es, das ist die Story von „Titel der Show“, dem Musical über die und von den vormals erfolglosen New Yorker Autoren Hunter Bell und Jeff Bowen, die es mit ihrer selbstironischen Nabelschau tatsächlich zu einer Broadway-Show und der Nominierung für den begehrten Tony Award 2009 bringen.

Der Berliner Regisseur Robin Kulisch und sein musikalischer Leiter Damian Omansen, der den Abend als Pianist Larry großartig begleitet, legen in deutscher Erstaufführung im Admiralspalast den stark beklatschten Beweis hin, dass vier Stühle, vier Leute und ein Klavier sehr wohl ein Musical ergeben.

Auf zum Broadway! Annika Henz (v. l.), Franziska Kuropka, Alexander Soehnle und Dennis Weissert sind die Besetzung.
Auf zum Broadway! Annika Henz (v. l.), Franziska Kuropka, Alexander Soehnle und Dennis Weissert sind die Besetzung.Foto: Sven Serkis / [titel der show]

Das größte Pfund der in einem enthusiastischen Miniteam mit Eigenmitteln gestemmten Produktion ist die Besetzung. Dennis Weissert, 2015 Gewinner des Bundeswettbewerbs Gesang, brilliert als charismatischer Träumer Hunter. Alexander Soehnle verkörpert den weniger stimmstarken, aber schauspielerisch überzeugenden Skeptiker Jeff. Und Annika Henz als Powerröhre Heidi und Franziska Kuropka als Susan überzeugen auf beiden Gebieten.Für das Stück gilt das allerdings nur bedingt. Auch wenn in der zu dialoglastigen zweiten Hälfte endlich mehr Sentiment ins Spiel kommt, fehlt es „Titel der Show“ an emotionaler Tiefe. Und das, obwohl die Selbstzweifel aufstrebender Künstler ständig Thema sind, wovon auch die tolle Gesangsnummer „Stirb, Vampir, stirb“ erzählt.

Der unter Führung einstiger und aktueller Professoren wie Peter Kock und Peter Lund im Publikum versammelte Berliner Musicalnachwuchs jedenfalls kam aus dem Lachen und zustimmenden Quietschen kaum heraus. Bei angehenden Broadway-Stars zieht die Identifikation.

Admiralspalast, F 101, am Bahnhof Friedrichstraße, wieder am 28. April und 2. Mai, 20 Uhr, weitere Infos unter www.titeldershow.de

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