Musik-Doku über Hubert von Goisern : Brenna tuat's schon lang

Die Musik-Doku „Brenna tuat’s schon lang“ bebildert die bereits 25 Jahre währende Karriere des österreichischen Weltmusikers, Alpenrock-Erfinders und Volksmusikerneuerers Hubert von Goisern.

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Hubert von Goisern spielt Akkordeon.
Hubert von Goisern in Aktion.Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Wunderschön, der Hallstätter See. Frühnebel ziehen über die quecksilberne Wasserfläche. Traut grüßen die Gipfel des Salzkammerguts. Ein Mann im Kapuzenpulli sitzt im Boot und wirft die Leine aus. Nicht lange, und eine Forelle zappelt daran. Dass ausgerechnet Angeln das Hobby von Hubert von Goisern ist, ist allerdings die einzige Überraschung in der Musikdoku „Brenna tuat’s schon lang“.

Dabei scheint doch der Bayer Marcus H. Rosenmüller die ideale Regisseursbesetzung, um die bereits 25 Jahre währende Karriere des österreichischen Weltmusikers, Alpenrock-Erfinders und Volksmusikerneuerers würdig zu bebildern. Beide sind Charismatiker, haben Temperament, lieben ihre alpine Heimat und reiben sich daran. Zu sehen ist das in Rosenmüllers „Räuber Kneißl“ und „Sommer in Orange“ oder auch in seinem kernigen Konzertfilm „La BrassBanda im Circus Krone“. Und zu hören ist es auf Hubert von Goiserns auch in Deutschland gefeiertem jüngstem Album „Entwederoder“, dem Anfang Mai eines namens „Federn“ folgt. Und doch: ein feuriger Funke stiebt bei Rosenmüllers Angelboot-Gesprächen mit dem über das Leben philosophierenden Anti-Dampfplauderer nicht.

Von Goisern hat begriffen: Nur wer weggeht, kommt richtig heim

Dafür gelingt es dem Regisseur durch – teils aus dem Archiv stammende – parallel montierte Konzertmitschnitte, die stupende Musikalität des Multiinstrumentalisten Hubert von Goisern spürbar zu machen. Und dessen heftiges Fernweh, das den 1952 geborenen Teenager – er flog aus der Blasmusikkapelle, weil er sich die langen Haare nicht stutzte und nannte sich später „aus Rache“ nach seinem Heimatort – jahrelang durch Tibet und Afrika getrieben hat. Der störrische von Goisern hat früh begriffen: Nur wer weggeht, kommt eines Tages richtig heim. Und so sind die in aller Welt gesammelten Rhythmen und Sounds organischer Teil seiner Musik geworden, die Ländler ebenso wie Rock verschmilzt.

Musik ist was Lässiges

„Du hast mir vermittelt, dass Musik etwas Lässiges ist“, sagt er seinem einstigen Musiklehrer in der einzigen Interviewszene, die Hubert von Goiserns unerzähltes Privatleben plastischer werden lässt. Das ist ein schöner, warmer Moment, der viel mehr über den Musiker sagt als die Schnittbilder mit Kollegen wie Konstantin Wecker, Wolfgang Niedecken oder Xavier Naidoo.

FaF, Kulturbrauerei, Moviemento und Passage; Konzert am 3. Juni im Berliner Admiralspalast

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