Musikfest Berlin : Naturbilder

Das Orchester der Deutschen Oper spielt die "Sphärenmusik" des dänischen Komponisten Rued Langgaard in der Philharmonie.

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Donald Runnicles, Chefdirigent der Deutschen Oper. Foto: Leo Seidel / Deutsche Oper Berlin
Donald Runnicles, Chefdirigent der Deutschen Oper.Foto: Leo Seidel / Deutsche Oper Berlin

Vier Paukensätze, das sind vier Spieler an einer langen Reihe von Kupferkesseln. Die „Sphärenmusik“ von Rued Langgaard aus den Weltkriegsjahren 1916/18 verlangt Riesenbesetzung: Orchester, Chor, Vokalsoli, Orgel, Klavier, Fernorchester. Nach wenigen Aufführungen Anfang der Zwanziger war das Werk vergessen, bis Ligeti es 1968 in Händen hielt und sah, „dass ich ein Langgaard-Epigone bin“.

Mit einer hochkonzentrierten Interpretation der „Sfaerernes Musik“ schenkt das Orchester der Deutschen Oper dem Musikfest Berlin einen bedeutenden Beitrag. Denn das statische Werk aus Klangbändern, wie sie das 20. Jahrhundert viel später entdeckt, klingt so romantisch wie neu. Romantisch, weil in die sich langsam verändernden Tonkomplexe unverhohlen Lieblichkeit eindringt, ein Märchenton, eine einsame Flöte singt. Große Besetzung? Erst nach 30 Minuten filigraner, experimenteller Farbspiele dröhnt sie mit voller Macht. Die apokalyptische Szene meint den Antichrist, der von der Erscheinung Christi besiegt wird: Religion, Traum und feine Lichtwirkungen aus der Höhe der Philharmonie.

Peter Seiffert fasziniert als Siegmund

Die Eltern des dänischen Sonderlings Langgaard waren Wagnerianer. Begreiflich, dass der Sohn seine Naturbilder zunächst an dem deutschen Komponisten orientiert, der allem in der Natur eine Sprache gegeben hat (Nietzsche). Vital setzt das Orchester unter Donald Runnicles mit dem Sturmmotiv der „Walküre“ ein, um dann den Zauber der Frühlingsnacht zu beschwören. Für die Musiker ist Wagner Ehrensache. Zwei „Ring“-Zyklen 2017 (Regie: Friedrich) sind ausverkauft.

Peter Seiffert, seit Jahrzehnten auf der Wagner-Bühne, fasziniert als Siegmund noch mit tenoralem Schmelz und seiner Gabe, Singen und Sagen expressiv zu gestalten. Die Sieglinde singt Anja Harteros so strahlend wie dramatisch aufgeregt. Dazu Georg Zeppenfeld als Hunding: „Hüte dich wohl!“ So gerät der erste Akt „Walküre“ zu einem Wunderwerk der Wiedergabe, weil es drei Spitzensänger in passioniertem Zusammenwirken mit dem Orchester vereint.

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