Kultur : Na, dann mal Mangas

Brösel geht mit der Zeit: „Werner – Eiskalt“

Nantke Garrelts
Foto: Constantin
Foto: Constantin

Werner wird nie erwachsen. 21 Jahre nach dem legendären „Werner beinhart“ ist der Kieler Klempnerlehrling so rotznasig wie eh und je. Trotz dreier eher mäßiger Nachfolgefilme hat er die Lust am „Schüsseln“ auf dem Moped und am „Bölkstoff“ nicht verloren. Seinem Schöpfer Rötger „Brösel“ Feldmann hingegen sieht man seine 61 Jahre durchaus an. Und wie es sich für einen großen Schriftsteller respektive Comiczeichner gehört, hat der Kieler nun seine Memoiren zu Papier gebracht. Das Ergebnis heißt „Werner – Eiskalt“ und erzählt eine Geschichte fast vom Klassenkampf – hier das Proletenkind Brösel alias Werner, dort Reichen-Schnösel Holgi. Schon im Kinderwagen liefern sich die beiden wilde Wettrennen, später geht es auf Fahrrädern und Bollerwagen weiter – Coming of Age in feinstem Holsteiner Platt.

Wie damals in „Beinhart“ tritt Brösel in Realfilmpassagen auf – und erzählt in Zeichentrick-Episoden mit Werner seine Jugendschwänke. Doch nun in „Eiskalt!“ gibt es ein böses Erwachen für den Zeichner: Niemand will seine Comics drucken, denn alle lesen Mangas. Der surrealistische Albtraum, in dem sich alle „Werner“-Figuren in Manga-Charaktere verwandeln, beweist neben der von Co-Regisseur Toby Genkel erschaffenen 3-D-Ästhetik, dass Brösel kein Dinosaurier des Trickfilms ist.

Die Komik nährt sich aus vielen Zitaten, etwa den Zeitlupen von fliegenden Motorradteilen und Erbrochenem, derbem Fäkalhumor und alten Bekannten wie Frau Hansen, Eckhaat und den Polizisten Helmut und Bruno, das alles garniert mit Milchwellen und Senfexplosionen. Wobei die Realfilmpassagen von Regisseur und Kameramann Gernot Roll manchmal leider arg amateurhaft geraten. Umso großartiger dafür die Szenen, in denen der Zuschauer Werners Rockerbande in natura kennenlernt.

Wie es sich für echte Freunde gehört, holen sie Brösels Leiche mit großem Geleit nach Hause. Was nach einem tödlichen Unfall durch missglückten Flachköpper aussieht, ist aber gar nicht so dramatisch: Werners geistiger Vater ist nur scheintot. Wer dann das große Rennen gewinnt, wird hier nicht verraten. Nur so viel: Mit „Eiskalt“ ist Brösel auch als Trickfilmzeichner von den Scheintoten auferstanden. Nantke Garrelts

In zehn Berliner Kinos

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