Nachruf auf Horst Bollmann : Ein kleiner großer Darsteller in Berlin

Becketts Lieblingsdarsteller in Berlin: Der Schauspieler Horst Bollmann ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

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Horst Bollmann. 1925–2014.
Horst Bollmann. 1925–2014.Foto: IMAGO

Ihm gelang, was nur wenigen Mimen gelingen will: eine Haltung zu prägen, die über eine Rolle hinweg Bestand hat, eingeht in den großen Bühnenfundus. Horst Bollmann fand sie in der Zusammenarbeit mit Samuel Beckett, der ans Berliner Schillertheater gekommen war, um dort seine Stücke selbst zu inszenieren. Bollmann, knubbelig von Gestalt, war sein Estragon in „Warten auf Godot“, 1975 feierte man Premiere. Als Diener Clov in „Endspiel“ schließlich entwickelte er eine besondere Art des Übers-Parkett-Rutschens, die Beckett, den akribischen Schrittevermesser, begeisterte. Die Kunst des Schlurfens wurde als „Bollmann-Haltung“ berühmt. Rückblickend bemerkte der Schauspieler in der „Zeit“ über seine Erfahrungen mit dem Literaturnobelpreisträger: „Mit Beckett arbeiten zu dürfen, war für mich Grund genug, zum Theater zu gehen. Damit hatte sich dieser Beruf schon gelohnt.“

Intendant Boleslav Barlog hatte Bollmann, der am 11. Februar 1925 in Dessau zur Welt kam, schon 1959 an die Staatlichen Bühnen geholt. Ihnen blieb er – eine sagenhafte Spanne – bis zu seinem Abschied 1987 treu, seit 1970 als Berliner Staatsschauspieler. Ein kleiner großer Darsteller, der parallel zu seinem Bühnenleben auch in Film und Fernsehen reüssierte. Bernhard Wicki besetzte ihn in „Das Wunder des Malachias“. Einem großen Publikum bekannt wurde Bollmann als Kommissar im Durbridge-Krimi-Mehrteiler „Wie ein Blitz“. Fünfmal war er als Ermittler am „Tatort“ zur Stelle. Auch als Synchronsprecher blieb er im Ohr, etwa als Bilbo Beutlin in Tolkiens „Der kleine Hobbit“. Ein Schauspieler, der im Absurden wie in der Unterhaltung zu Hause war. Im Alter von 89 Jahren ist Horst Bollmann nun gestorben.

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