Neue Gesprächsreihe „Philharmonischer Diskurs“ : Das Beste war die Musik

Die neue Gesprächsreihe „Philharmonischer Diskurs“´ will den Einfluss des Lebens auf die Interpretationsarbeit von Musikern in den Fokus rücken: Zum Auftakt mit Pianist Igor Levit und vielen verunglückten Fragen.

Tomasz Kurianowicz
Die neue Gesprächsreihe "Philharmonischer Diskurs" in der Philharmonie startete - unglücklich.
Die neue Gesprächsreihe "Philharmonischer Diskurs" in der Philharmonie startete - unglücklich.Foto: Berliner Philharmoniker

Drei Herren im Foyer der Philharmonie: Der deutsch-russische Pianist Igor Levit, ZDF-Moderator Wolfgang Herles und Bundestagspräsident Norbert Lammert sollen zum Start der Gesprächsreihe „Der philharmonische Diskurs“ über den Einfluss des Lebens von Musikern auf deren Interpretationsarbeit sprechen. Doch es kommt anders. Schon Herles’ Anfangsfrage, ob denn Igor Levits russischer Hintergrund für seine Kunst eine Rolle spiele, quittiert der Pianist lächelnd und schweigend. Auch weitere Fragen, etwa zur politischen Bedeutung des von Levit eingespielten Stücks „The People United Will Never Be Defeated!“ von Frederic Rzewski, das man auch als sozialistisches Manifest bezeichnen könnte, will Levit nicht beantworten. Stattdessen betont er mehrfach, die Anweisungen von Komponisten spielten für ihn kaum eine Rolle, schließlich könne man ein Stück ohnehin nicht zwei Mal auf gleiche Weise aufführen.

Anders gesagt: Fehlstart. Neuer Anlauf von Herles mit Hinweis auf Leon de Winters Roman „Geronimo“, in dem die Taliban einem afghanischen Mädchen, das sich für Bachs Musik begeistert, zur Strafe die Hände abhacken. Ob folglich Bachs Goldberg-Variationen als „Gegenstück zum Koran“ gelten könnten? Heftiges Räuspern im Publikum. Auch Levit zeigt sich verstört und spielt den Ball an Lammert weiter, der die Verallgemeinerung relativiert: Er könne „das Entsetzen“ über die Analogie verstehen; allerdings beschränkten autoritäre Systeme – bei den Taliban sei etwa Musikhören verboten – vielfältige Welt- und Kunstzugänge auf unnötige Weise.

So geht es weiter, das Gespräch aber ist nicht mehr zu retten. Immerhin spielt Igor Levit noch ein bisschen Bach, das sind die stärksten Momente des Abends. Musik!

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