Neuer "Asterix in Italien" : Obelix, spann den Wagen an

Mit vier Pferdestärken durchs Römische Reich: „Asterix in Italien“ von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erzählt von einer wilden Wettfahrt.

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Achtung, dicker Gallier am Steuer! "Asterix in Italien" ist der 37. Band der Serie.
Achtung, dicker Gallier am Steuer! "Asterix in Italien" ist der 37. Band der Serie.Foto: Egmont Ehapa Verlag/dpa

Holprige Wege führen nach Rom. Die Infrastruktur des Imperiums hat unter der jahrelangen Zweckentfremdung der staatlichen Instandhaltungsmittel gelitten. Schlagloch reiht sich an Schlagloch. Der verantwortliche Senator Lactus Bifidus wird von den Kollegen hart angegangen – und hat einen Geistesblitz: Ein großes Wagenrennen durch ganz Italien soll den einwandfreien Zustand der Straßen beweisen. An dem spektakulären Ablenkungsmanöver sollen Wagenlenker aller Länder teilnehmen – inklusive Barbaren.

Auch im fernen Aremorica vernimmt man die Kunde des anstehenden Wettbewerbs. Und das just an dem Tag, als Obelix der Prophezeiung einer Handleserin und seinem Bauchgefühl folgend einen schicken Rennwagen erworben hat.

„Wie kannst du dir das leisten?“, fragt Asterix. „Ich habe Ratenzahlung vereinbar. Zehn Mal acht Hinkelsteine“, sagt Obelix während er den Wagen auf dem Rücken heimwärts schleppt. Nach einer kurzen Beratung beim Dorfchef Majestix ist es entschieden: Asterix und Obelix nehmen an dem Rennen teil. Und der Dicke darf den schmucken Wagen mit dem gallischen Hahn als Kühlerfigur lenken – schließlich ist es seiner. Und so spielt Obelix in dem am heutigen Donnerstag erscheinenden Band „Asterix in Italien“ eine etwas wichtigere Rolle als sonst.

Didier Conrad hat Uderzos Stil perfekt drauf

Es ist das dritte Abenteuer der Gallier, das Texter Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad verantworten, seit sich der mittlerweile 90-jährige Albert Uderzo endgültig von seinen legendären Rebellen aus dem unbeugsamen Dorf verabschiedet hat, die er 1959 mit dem Texter René Goscinny ersonnen hatte. Mit dem Vorgängerband „Der Papyrus des Cäsar“ war dem Team ein starker, witziger Band gelungen, der sich um einen Leak im Hause des Herrschers drehte und eine antike Form des Internets imaginierte. Damit hatte die Serie endgültig ihre Krise der nuller Jahre hinter sich gelassen. Esprit, Charme und Zeichnungen im originalgetreuen Asterix-Stil – das alles brachen Ferri und Conrad dort ein. Auch beim aktuellen 37. Band ist diese Mischung wieder vorhanden – allerdings wirkt die Geschichte längst nicht so stimmig und mitreißend wie die letzte.

Parma-Schinken und Mona Lisa

Von Modicia über Parma und Rom nach Neapel führt die Reise von „Asterix in Italien“. Überall gibt es Anspielungen an die Eigenheiten der Orte und ihrer Bevölkerung. Dem muschelförmigen Platz von Siena, hier noch Sena Julia, ist eine großes Panel gewidmet, in der Nähe von Florenz lächelt eine Mona Lisa die beiden Helden aus einem Fenster heraus an und in Parma verspeist Obelix einen ganzen Schinken, statt zu warten bis eine der hauchdünnen Scheiben abgeschnitten wird. Allerdings kommt das insgesamt etwas gehetzt und zerfasert rüber, denn die Handlung muss wieder auf den traditionellen 44 Seiten Platz finden – und nach ein paar Seiten steht immer schon die nächste Etappe an.

Zwei Südgermanen manipulieren das Rennen

Auch die Größe des Teilnehmerfeldes trägt zu diesem etwas fahrigen, wimmelbildartigen Eindruck bei. Wobei die Charakterisierung verschiedener Nationalitäten so überzogen klischeemäßig ist wie man das aus den Asterix-Reisegeschichten zu den Goten, Briten oder Schweizern kennt. Die alten Piraten haben ebenfalls einen Gastauftritt und natürlich müssen bei einem Wagenrennen auch Deutsche mitmischen: Zwei sogenannte Markomannen aus Südgermanien sind für Rennmanipulationen im Sinne Roms zuständig, weil sie sich gut mit Fahrzeugtechnik auskennen. Das ist zwar alles liebevoll gemacht, allerdings auch ein bisschen zu sehr im Hommage-Modus verhaftet.

Der Bösewicht wirkt harmlos mit seiner Grinsemaske

Leider entwickelt überdies der Gegenspieler von Asterix und Obelix kaum Profil, was schon damit anfängt, dass dieser von Cäsar ins Rennen geschickte Caligarius eine goldene Maske trägt. Damit sieht er aus wie eine Kreuzung aus Darth Vader und einem Grinse-Emoticon. Sein roter Umhang weht superhelden-mäßig im Wind, während sein Co-Pilot Bleifus die schwarzen Pferde erbarmungslos mit der Peitsche antreibt. Weil Caligarius’ letztlich harmlos ist, muss dann doch wieder Cäsar ran als ewiger Widersacher der Gallier. So holpert „Asterix in Italien“ im netten Schlingerkurs Richtung Ziel. Zur Regeneration sollten die Helden daheim kräftig in die Wildschweine beißen. Auf dass das nächste Abenteuer wieder etwas bissiger ausfallen möge.

Jean-Yves Ferri & Didier Conrad: Asterix in Italien. Aus dem Französischen von Klaus Jöken. Egmont Ehapa Verlag, 48 Seiten, 12 €.

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